„Ich freue mich ungemein an kuriosen Fragen“

Klaus Mackowiak, freier Lektor und VFLL-Kollege aus Aachen, gehört seit vielen Jahren zum Team der telefonischen Duden-Sprachberatung. Seine Fortbildungsveranstaltungen erfahren nicht nur im Verband sehr viel Zulauf. Zudem ist Klaus Mackowiak Autor mehrerer Sachbücher. „Die 101 häufigsten Fehler im Deutschen“ sind gerade aktualisiert in der vierten Auflage erschienen. Im Interview verrät er, wie er vom Handlanger auf dem Bau zur telefonischen Sprachberatung kam und welche Fragen er am liebsten hat.

Deine Studienfächer waren Linguistik, Philosophie, neuere deutsche Literaturgeschichte und Architektur. Das liest sich, als ob du deine Leidenschaft fürs Lektorat schon früh entdeckt hättest. Wann und wie ist dein Wunsch entstanden, Lektor zu werden?

Klaus Mackowiak, VFLL-Kollege aus Aachen

Ob „früh“ das richtige Wort ist, weiß ich nicht. Denn zunächst habe ich mich nach dem Studium einige Jahre als Handlanger auf dem Bau rumgetrieben. Das war prima. Dann wiederum war ich einige Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Philosophischen Institut der RWTH Aachen tätig und bin dann zum Grammatischen Telefon der RWTH Aachen gewechselt. Dort habe ich telefonisch beraten, Weiterbildungen durchgeführt und Rechtschreibforschung betrieben. Da hätte sicher das Lektorat nahegelegen, aber ich habe dann erst noch einmal eine mehrjährige wissenschaftliche Schleife bei den Literaturwissenschaftlern eingelegt, bevor ich mich dann schließlich als Lektor und Journalist selbstständig gemacht habe.

Du arbeitest seit vielen Jahren für die Duden-Sprachberatung. Wie bist du zu dieser Tätigkeit gekommen?

Ganz klassisch: Ich habe eine Stellenanzeige gelesen, habe mich beworben und wurde genommen.

Was magst du an der telefonischen Beratung am meisten? Hast du eine Lieblingsfrage?

Zwei Dinge mag ich besonders. Zum einen das Spannende: Wenn das Telefon klingelt, weiß ich ja nie, was mich erwartet. Zum anderen das Überraschende und Erweiternde: Denn nach all den Jahren gibt es immer wieder Fragen, auf die ich selbst nie im Leben gekommen wäre. Man hört also nicht auf, dazuzulernen.

Ich freue mich ungemein an kuriosen Fragen wie der, ob das Genitiv-s in Mutters Auto nicht eine Verschmelzung aus Mutter sein Auto sei, oder der, ob das „kurz – kurz – kurz – lang“ des Morsealphabets für den Buchstaben v (lateinisch V = 5) nicht vielleicht etwas mit dem Eingangsmotiv der 5. Sinfonie Beethovens zu tun habe.

Eines deiner Bücher, „Die 101 häufigsten Fehler im Deutschen“, ist gerade aktualisiert in der vierten Auflage erschienen. Für wen ist dieses Buch besonders geeignet?

Das Buch ist ja keine wissenschaftliche Darlegung, sondern ein Ratgeber. Aber es ist, was das Grammatische und was die grammatische Terminologie angeht, nicht ganz ohne. Insofern eignet es sich besonders für Fachleute in Sachen Sprache: Lektoren und Lektorinnen, Korrektorinnen und Korrektoren, Lehrende, grammatisch interessierte Journalisten und Journalistinnen oder ebenso aufgeschlossene Autorinnen und Autoren o. Ä.

Verrätst du uns zum Schluss, ob es auch bei dir trotz deiner Erfahrung und deines Wissens noch Zweifelsfälle gibt, bei denen du ins Straucheln gerätst?

Ja, solche Fälle gibt es – nicht direkt andauernd, aber doch immer wieder, und zwar immer dann, wenn:

  • es zu einem Problem zwar eine Lösung gibt, ich sie aber (noch) nicht kenne
  • es zu einem Problem keine Lösung gibt, über die bereits jemand veröffentlicht nachgedacht hat
  • es zu einem Problem aus grundsätzlichen Gründen keine Lösung geben kann

Buchcover

In der 4. Auflage erschienen: Die 101 häufigsten Fehler im Deutschen von Klaus Mackowiak, (c) C.H. Beck

Klaus Mackowiak: Die 101 häufigsten Fehler im Deutschen und wie man sie vermeidet, Broschur, 12,95 Euro,
ISBN: 978-3-406-75010-6

Das Buch bei C.H. Beck.
Das Buch ist außerdem über den Buchhandel und online erhältlich.


Interview: Katja Rosenbohm

Bilder: (Porträt) Klaus Mackowiak / Fotokiste Darius Manka; (Beitragsfoto) (c) BenediktGeyer / pixabay; (Cover) C. H. Beck


Klaus Mackowiaks Website und Profil im VFLL-Verzeichnis


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„Mein Kindheitstraum war, dass ich irgendwann den Nibelungenschatz heben würde …“ (2021)
„Typisch gibt es bei mir nicht“ (2021)
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