„Mit dem VFLL feiern wie ein Fußballverein“

Das Vorstellungskarussel dreht sich weiter. Heute ist Vorstandsmitglied Claudia Lüdtke aus Berlin zu Gast im VFLL-Blog. Als frühere Regionalgruppensprecherin und Mitorganisatorin der letztjährigen Lektorentage, künftig Fachtagung Freies Lektorat, bringt sie eine Menge an Erfahrung mit in den Vorstand. Claudia verrät, dass der VFLL auch schon mal für einen Fußballverein gehalten wurde und dass sie nicht daran gedacht hatte als Sprecherin der Berliner Regionalgruppe zu kandidieren – bis sie gefragt wurde.

Seit wann bist du Mitglied im VFLL? Was schätzt du am meisten in diesem Netzwerk?

Unmittelbar nachdem ich mich selbstständig gemacht hatte, bin ich in den VFLL eingetreten. Das war vor fast 14 Jahren. Am meisten schätze ich am VFLL die Verbandskolleg*innen und ihre geballte Kompetenz in Sachen Sprache, Texte und Freiberuflichkeit. Ich finde es großartig, wie die Kolleg*innen im VFLL sich gegenseitig unterstützen und ohne Konkurrenzdenken ihr Wissen weitergeben und ihre Erfahrungen austauschen. Das hat auch mein Selbstbewusstsein als freie Lektorin enorm gestärkt.

Du wurdest auf der Mitgliederversammlung im September neu in den Vorstand gewählt. Warst du vorher schon im Verband aktiv?

Von 2014 bis 2018 war ich Regionalgruppensprecherin in Berlin. Außerdem war ich Mitglied des Orgateams, das 2017 die Lektorentage in Berlin organisiert hat.

Welches Aufgabengebiet hast du übernommen? Kannst du deine beruflichen Schwerpunkte und persönlichen Interessen einbringen?

Im Vorstand bin ich Ansprechpartnerin für die Fachtagung Freies Lektorat [bis 2018: Lektorentage, Anm.], für die Organisation der jährlich stattfindenden Klausurtagung von Regionalrat und Vorstand in Kassel, außerdem für die Bereiche Digitalisierung, Lobbyarbeit sowie für unsere Geschäftsstelle in Berlin. Ich freue mich besonders, die Fachtagung mit vorbereiten zu können, weil mir die Organisation der Lektorentage im letzten Jahr sehr viel Spaß gemacht hat.

Gibt es ein (Herzens-)Thema, um das du dich im Verband während deiner Amtszeit besonders kümmern willst?

Zwei Themen liegen mir besonders am Herzen. Zum einen: Mitglieder zu motivieren und einzuladen, sich aktiv einzubringen und sich am Verbandsleben zu beteiligen. Eine der schönsten Seiten an unserem Verband ist, dass Ideen und Aktivitäten in jeglicher Form immer willkommen sind und ohne bürokratische Hürden umgesetzt werden können. Denn: Der VFLL – das sind wir! Ich verstehe den Verband als einen offenen Raum, in dem wir unsere eigenen Anliegen einbringen und entsprechend unseren Bedürfnissen gestalterisch tätig werden können. Diese Kultur haben unsere Vorgänger*innen im Vorstand sehr gefördert und gepflegt – es ist mir sehr wichtig, das fortzusetzen.

Mein zweites Herzensthema ist der Wandel unseres Berufes in Zeiten der Digitalisierung und wie wir als freie Lektor*innen und als Verband Zukunft gestalten können, um so zu arbeiten, wie wir es möchten.

Verrätst du uns dein schönstes VFLL-Erlebnis?

Als wir bei einem Weihnachtsessen vom Kellner freundlich begrüßt wurden: „Ach, Sie sind die Leute vom Fußballverein – herzlich willkommen!“ Das war natürlich eher ein lustiges VFLL-Erlebnis. Ein richtig toller VFLL-Moment war, als ich 2014 gefragt wurde, ob ich Regionalgruppensprecherin werden wollte und sofort merkte: Wow, darauf habe ich richtig Lust! Bis dahin hatte ich nie an diese Möglichkeit gedacht und hätte mir so ein Amt wohl auch gar nicht zugetraut. Aber mein erstes Bauchgefühl hat mich nicht getrogen, und die Arbeit als Sprecherin hat mir enorm viel Spaß gemacht. Das hat mich dann auch motiviert, für den Vorstand zu kandidieren.

Erzählst du uns noch etwas zu deiner Arbeit? Hast du einen Arbeitsschwerpunkt als Lektorin?

In den 14 Jahren meiner Selbstständigkeit hatte ich es mit einem bunten Strauß an Texten und Büchern zu tun: von Ausstellungskatalogen über Reiseführer bis hin zu Bastelbüchern für Kinder. Als Arbeitsschwerpunkte haben sich nach und nach die Bereiche Bildungsmedien und Unternehmenskommunikation herauskristallisiert. Außerdem habe ich gerade einen Zertifikatskurs in Leichter Sprache abgeschlossen und möchte das Übersetzen in Einfache und Leichte Sprache als weiteres Standbein ausbauen.

War dir dein Beruf schon bei der Auswahl deiner Studienfächer klar? Oder hast du eine Ausbildung gemacht? Wie bist du zum Lektorat gekommen?

Mein erster Berufswunsch war ja Skispringerin – zugegebenermaßen war ich erst ungefähr drei Jahre alt, als mir diese berufliche Laufbahn vorschwebte, und so richtig konsequent habe ich dieses Ziel nicht verfolgt … Studiert habe ich Germanistik, Filmwissenschaft und Russistik. Bei der Wahl der Studienfächer dachte ich noch eher an den Journalismus als Tätigkeitsfeld, aber von dort ist der Weg zum Lektorat ja nicht allzu weit. Mein Interesse für Film und Kino führte mich während und nach dem Studium zunächst ans Filmmuseum Berlin. Dort habe ich unter anderem an Ausstellungskatalogen mitgearbeitet und irgendwann beschlossen, diesen Schwerpunkt zu vertiefen. Nach Verlagspraktika und einem Volontariat habe ich mich dann selbstständig gemacht.

Greifst du auf das, was du mal studiert hast, bei deiner Arbeit zurück?

Das Lektorieren habe ich nicht im Studium gelernt, sondern erst später im Verlag, außerdem durch Fortbildungen und Learning by Doing. Aber ich habe an der Uni eigenständiges, selbstbestimmtes Arbeiten gelernt, und das ist eine wichtige Voraussetzung für die selbstorganisierte Arbeitsweise im freien Lektorat. Bei meiner Arbeit greife ich auch auf meine literaturwissenschaftlichen Kenntnisse zurück, denn ich habe mich im Schulbuchbereich auf das Fach Deutsch spezialisiert. Auch die Verbindung zur Filmwissenschaft ist nie vollständig abgerissen: Einige meiner Lieblingsbuchprojekte waren Kataloge zu Filmausstellungen. Nur Russisch, mein drittes Studienfach, war im Zusammenhang mit meiner Arbeit nie wirklich gefragt und so sind meine Sprachkenntnisse leider etwas eingerostet.

Arbeitest du zu Hause oder hast du ein externes Büro? Warum?

Ich habe ein externes Büro – aus mehreren Gründen: Wenn der Schreibtisch abends und an Wochenenden außer Sichtweite ist, fällt es mir leichter abzuschalten. Noch wichtiger sind mir allerdings der Austausch und das Kooperieren mit Kolleg*innen in einem gemeinsamen Büro. Ich habe eine GbR zusammen mit einer Kollegin, mit der ich mir ein Bürozimmer teile. Wir beide arbeiten wiederum in einer zehnköpfigen Bürogemeinschaft, der insgesamt sechs Lektor*innen angehören. Es ist nicht nur sehr hilfreich, sich von Bürotür zu Bürotür über fachliche Fragen auszutauschen. Auch Auftragsspitzen bzw. -flauten lassen sich innerhalb der Bürogemeinschaft unkompliziert und oft kurzfristig ausgleichen. Last but not least: Es macht viel mehr Spaß, gemeinsam mit den Kolleg*innen zu Mittag zu essen, als alleine zu Hause!

So arbeitet Vorstandsmitglied Claudia Lüdtke

Claudias Schreibtisch in einer Berliner Bürogemeinschaft, Foto: (c) Claudia Lüdtke

Dürfen wir mal einen Blick auf deinen Schreibtisch werfen? Ein Foto wäre toll! Welcher Arbeitstyp bist du: Stapler oder Sortiererin?

Ich bemühe mich zu sortieren, aber die Stapelei setzt sich immer mal wieder durch …

Was machst du, um den Kopf frei zu kriegen? Kannst du gut abschalten? Hast du Tipps?

Am besten kriege ich den Kopf beim Klavierspielen frei oder wenn ich draußen in der Natur bin, zum Beispiel beim Radfahren und Wandern im Berliner Umland. Und dann kenne ich noch eine gute Entspannungstechnik, die ich sehr weiterempfehlen kann: Bücher lesen!

Was möchtest du unbedingt noch loswerden?

Ich habe gemerkt: Je aktiver ich mich am Verbandsleben beteilige, als umso bereichernder und gewinnbringender empfinde ich meine VFLL-Mitgliedschaft. Ich habe mein kollegiales Netzwerk immer weiter ausgebaut und dabei viel Neues dazugelernt. Deshalb möchte ich alle ermutigen, die eigenen Ideen, Anliegen und Kompetenzen in den Verband einzubringen, um auf diese Weise den VFLL zu gestalten.

Interview: Katja Rosenbohm

Foto (Porträt): © Claudia Lüdtke / Sabine Münch


Claudia Lüdtkes Website und Profil im Lektorenverzeichnis


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Inken Kiupel
Ute Gräber-Seissinger
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