Autorin und Lektorin Helga Berger mit ihrem Studienratgeber

„Ich wollte schreiben, wie es mir passte“

Als Lektorin ist Helga Berger mit den typischen Problemen, die beim Erstellen wissenschaftlicher Arbeiten entstehen, bestens vertraut. Die VFLL-Kollegin hat deshalb einen Ratgeber über das Schreiben von Seminar- und Abschlussarbeiten verfasst, der im Frühjahr 2019 bei UTB erschienen ist. Ihr Anliegen war es, ein Buch herauszubringen, das wirklich hilft, eine Abschlussarbeit zu erstellen, und dabei auch noch ansprechend und locker geschrieben ist.

Um was für ein Werk handelt es sich?

„Schritt für Schritt zur Abschlussarbeit“ ist, wie der Titel schon andeutet, ein Ratgeber für alle, die wissenschaftliche (Abschluss-)Arbeiten schreiben, also vor allem Studierende. Profitieren können davon aber auch Lektorinnen und Lektoren, die mit wissenschaftlichen Arbeiten zu tun haben.

„Schritt für Schritt zur Abschlussarbeit. Gliedern – formulieren – formatieren“, Cover © Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn

„Schritt für Schritt zur Abschlussarbeit. Gliedern – formulieren – formatieren“, Cover © Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn

Die erste Besonderheit ist der Zuschnitt: Das Buch beschäftigt sich ausschließlich mit der Phase der Manuskripterstellung, also angefangen von dem Moment, in dem der Cursor erwartungsvoll blinkt und auf die erste Eingabe wartet, bis zum endgültigen Ausdrucken. Die davorliegenden Phasen habe ich weggelassen, wie zum Beispiel Themenwahl und Literatursuche. Zum einen sind diese bei den verschiedenen Fächern ganz unterschiedlich: Was weiß ich schon über die Literatursuche bei Juristen oder Wirtschaftswissenschaftlerinnen? Bei Dingen wie einer präzisen Sprache oder der Umsetzung mit Word ist das etwas anderes: Das betrifft so ziemlich alle Fächer. Zum anderen konnte ich mich auf diese Weise viel intensiver mit der Schreibphase beschäftigen und auch ins Detail gehen.

Eine weitere Besonderheit ist der leichte Zugang: Manche Ratgeber in diesem Bereich sehen sich selbst als „lebendes Beispiel“ für eine wissenschaftliche Arbeit. Das bedeutet aber auch, dass sie entsprechend „steif“ daherkommen. Ich wollte schreiben, wie es mir passte – zum Beispiel spreche ich von einem „Rudel Autoren“ und nicht von einem „Mehrautorenfall“ –, und ich wollte auch viele Beispiele zur Veranschaulichung einfügen. Die habe ich selbst erfunden.

Wie warst du daran beteiligt?

Ich bin die Autorin. Natürlich hatte ich Testleser, auf deren Reaktionen ich auch eingegangen bin.

Wie bist du auf das Thema gekommen?

Ich habe schon lange wissenschaftliche Texte lektoriert und mag das sehr. Bei der Bearbeitung habe ich bei Korrekturen dann jeweils Kommentare abgegeben, zum Beispiel, was der Unterschied zwischen „a. a. O.“ und „ebd.“ ist. Beim nächsten Auftrag kamen mir wieder dieselben Fehler entgegen. Also habe ich mir gedacht, diese Erläuterungen mal zusammenzufassen.

Außerdem ging es um die Formatierung. Immer wieder sah ich, wie Leute sich mit Word abmühten, zum Beispiel versuchten, bei einem Literaturverzeichnis mithilfe von Absatzmarken und Leerzeichen einen Einzug der zweiten Zeile zu erzeugen. Ganz abgesehen davon, dass das Verfahren höchst anfällig ist: Mit der entsprechenden Funktion braucht man dafür eben keine halbe Stunde, sondern höchstens zwanzig Sekunden. Man muss sie nur kennen – und darum habe ich die Umsetzung mit Word ganz genau beschrieben.

War es schwierig, einen Verlag zu finden?

Nein. Zunächst habe ich sehr viel Arbeit in das Exposé und die Leseproben gesteckt und mich auch informiert, welche Zeitpunkte für ein Einschicken des Manuskripts günstig sind. Tipp: nie während der Buchmesse! Nach einem ersten erfolglosen Versuch bei einem Verlag habe ich das Exposé dann per Mail an den Verlag Ferdinand Schöningh (für die UTB-Reihe) geschickt und bereits nach einer Stunde (!) eine Interessensbekundung erhalten. Der Lektorin im Verlag gefielen mein Exposé und meine Leseproben. Dann nahm alles seinen Lauf. UTB (Uni-Taschenbücher) ist eine Taschenbuchreihe für Wissenschaftler und Studierende, die von verschiedenen Verlagen bestückt wird. Mein Buch in dieser Reihe zu sehen war mein Wunschtraum.

Wie lange hast du an dem Buch gearbeitet?

12 Jahre, mit manchmal längeren Unterbrechungen, ausschließlich an den Wochenenden oder während der seltenen Zeiten ohne Auftrag.

Gab es spezielle Herausforderungen?

Nicht die wissenschaftlichen Besonderheiten wie Fußnoten und auch nicht die Sprache – das ist mein Metier. Aber: Mir noch zusätzliche Word-Funktionen anzueignen, das war nicht immer einfach. Vieles kannte ich, manches noch nicht. So konnte ich Word bestenfalls bekannte Begriffe suchen lassen, aber beispielsweise nicht alle vierstelligen Zahlen im Text. Das hat viel, viel Zeit und manches Gefluche gekostet. Ich wollte es aber im Interesse meiner Leser herausfinden. Entsprechende Fragen zu Word auf der verbandsinternen Mailingliste waren auch hilfreich – die habe ich gerne aufgenommen.

Dann habe ich Formatierungs-Koryphäe Walter Greulich gebeten, sich den Word-Teil mal anzusehen. Er hat ihn für o. k. befunden, was doch sehr zu meiner inneren Ruhe beigetragen hat.

Eine andere Herausforderung, aber eine positive, habe ich darin gesehen, mir die vielen Beispiele im Buch auszudenken: „Ein Student schreibt in seiner Arbeit über die Vertreter der Gattung Megatherium: ‚Denn Sie wurden intensiv durch den Menschen bejagt.‘ Er meint die Tiere. Der Professor fühlt sich aber – zu Recht, es heißt ja Sie (= Anrede) – angesprochen. Er schreibt süffisant an den Rand, ob seine Seminare so schlecht seien, dass man ihn für ein Riesenfaultier halte.“ Damit wollte ich verdeutlichen, was ein falsches „Sie“ alles anrichten kann.

Was hat besonders Freude gemacht?

Wenn ich Word nach zähem Ringen klargemacht habe, wer Chefin im Ring ist.

Wie fühlt es sich an, das Werk nun in den Händen zu halten?

Ich war zunächst einfach nur froh, dass die Arbeit ein Ende hatte. Inzwischen nutze ich das Buch selbst bei meiner Arbeit, um manche Word-Funktionen nachzuschlagen, denn die habe ich auch nicht alle im Kopf. Jetzt kann ich bei einem händisch formatierten Text, den ich bearbeiten soll, mal eben alle kursiven Begriffe durch gerade ersetzen lassen. Solche Durchgänge erleichtern meine Arbeit sehr.

Gibt es noch etwas, das du uns dazu sagen möchtest?

Ich habe all mein Wissen über das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten in das Buch gelegt. Wenn ich damit helfen kann, bin ich zufrieden.

Cover: © Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn
Foto: Lektorin und Autorin Helga Berger © FOTOsession, Gütersloh


Helga Berger: Schritt für Schritt zur Abschlussarbeit. Gliedern – formulieren – formatieren, Schöningh / UTB, 1. Auflage, 2019. 349 Seiten, Broschur, 24,99 Euro, ISBN: 978-3-8252-5106-2.

Das Buch bei utb.

Das Buch ist außerdem über den Buchhandel und online z. B. im Autorenwelt-Shop des Uschtrin-Verlags erhältlich.

Helga Bergers Website zum Buch


Weitere Bücher von VFLL-Kolleginnen und -Kollegen:

Kathrin Jurgenowski über „Die Vampirjagd“
„Ich staune immer wieder, wie viel Arbeit ein Reiseführer macht“
„Ein ergötzliches Dribbling durch die Sprache des Fußballs“
Der Friedhof als Geschichtsbuch der Stadt
Die Finanzkrise in 200 Stichwörtern
Zurück in die Wirtschaftswunderzeit
Raus in die Stadtnatur
„Die schönsten Berliner Kieze”

 

Ein Gedanke zu „„Ich wollte schreiben, wie es mir passte“

  1. Pingback: Ratgeber zum Schreiben von Abschlussarbeiten | Federwerk

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.