Besonderheiten im Kinder- und Jugendbuchlektorat

„Kinderbücher lektorieren“ – unter diesem Titel fand im Februar auf dem Frankfurter Media-Campus eine VFLL-Fortbildung statt. Referentin des Workshops war Julia Hanauer, selbst Kinderbuchlektorin. Dorothea Winterling war mit dabei und hat für den VFLL-Blog einen Nachbericht verfasst.

Von Dorothea Winterling

Ob ihre Mutter wohl daran gedacht hatte, ihrem dreijährigen Bruder Emmanuel, der immer so nervenzerfetzend schrie, das von ihm so sehnlich erwünschte Fahrzeug unserer Freunde und Helfer mit Blaulicht mitzubringen?, überlegte die fünfjährige Carlotta-Luise fieberhaft.

Ganz so schlimm waren die Texte, die wir gemeinsam lektorierten, dann doch nicht. Aber wir lernten eine Menge darüber, was man als Kinderbuchautor*in so alles falsch machen kann. Aber schön der Reihe nach: Im Februar fand auf dem Media-Campus Frankfurt das Seminar „Kinderbücher lektorieren – Besonderheiten im Kinder- und Jugendbuchlektorat“ statt, geleitet von der Kinderbuchlektorin Julia Hanauer.

Wir beschäftigten uns mit den Besonderheiten der Kinder- und Jugendbuchliteratur wie Zielgruppen, Genres, Figurenentwicklung, Identifikation, Spannungsbogen, Perspektive und Sprache und diskutierten intensiv darüber. Julia ließ sich gern von uns mit Fragen löchern, die sie allesamt kompetent und humorvoll beantwortete; überhaupt wurde viel gelacht. Weitere Themenfelder waren der deutsche Kinder- und Jugendbuchmarkt, die Fähigkeiten und Bedürfnisse der verschiedenen Altersstufen und der Umgang mit Autorinnen und Autoren. Mehrere Stapel Bücher auf dem Tisch dienten dazu, die Ausführungen zu illustrieren. So hatten wir gleich Anregungen zum Lesen von guten Kinderbüchern, und das war auch der Rat der Workshopleiterin: Bevor man beginnt, für Kinder zu schreiben, und auch, bevor man Kinderbücher lektoriert: Lesen, lesen, lesen! Damit entwickelt man z. B. ein gutes Gespür dafür, welche Sprache zur jeweiligen Zielgruppe passt.

Im zweiten Teil, nach dem Mittagessen in der hauseigenen Mensa, ging es dann an die praktische Arbeit: Textbeispiele wurden gesichtet, einzeln bearbeitet und im Plenum besprochen. Dabei konnten wir direkt in die Tat umsetzen, was wir vorher gehört hatten, und unsere eigenen Erfahrungen beim Lektorieren einbringen. Es wurde viel diskutiert, gefragt, überlegt und natürlich auch gelacht, denn manche Textstellen waren nicht nur knapp daneben, sondern vollkommen abwegig. Mit dabei war ein Manuskript, dessen Bearbeitung taktvoll abgelehnt werden musste, weil die Qualität nicht ausreichend für ein Lektorat war. Auch so etwas gibt es.

Zum Schluss bekamen wir noch jede Menge Infos: Artikel, Lesetipps, Checklisten – und wir konnten uns die Bücher auf dem Tisch noch mal genauer ansehen. Julia beantwortete alle offenen Fragen, und wir machten uns bereichert und froh auf den Heimweg.

Foto: (c) privat


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