Ute Gräber-Seißinger, Finanzverantwortliche im VFLL-Vorstand

„Manche Telefonkonferenzen haben mich regelrecht begeistert“

Vom 21. bis 23. September finden in Nürnberg die Lektorentage statt. In diesem Jahr stehen wieder Vorstandswahlen an. Was macht man eigentlich als Vorstandsmitglied im VFLL? Ute Gräber-Seißinger, seit vier Jahren Finanzverantwortliche im VFLL-Vorstand, berichtet im Lektorenblog über ihre ehrenamtliche Arbeit.

Von Sebastian Petrich

Was hatte dich bei deiner ersten Wahl in den VFLL-Vorstand zu einer Kandidatur bewogen?

Ich bin seit dem Jahr 2001 Mitglied im VFLL. Erst etwas mehr als ein Jahr zuvor war der Verband gegründet worden. Meine Kandidatur im September 2014 in Hamburg war eine spontane Entscheidung. Der Verband war und ist mir bis heute, anfangs vor allem in Gestalt der Mailingliste, eine wichtige Stütze bei der Ausübung meiner Tätigkeit als Lektorin und Übersetzerin. Deshalb war es mir letztlich, 13 Jahre nach meinem Eintritt, ein Bedürfnis, dem Verband durch mein Engagement im Vorstand etwas zurückzugeben.

Wie viel Zeit hast du in den letzten zwei Jahren durchschnittlich dem Vorstandsamt gewidmet – monatlich, wöchentlich oder täglich?

Da ich ein Zahlenmensch bin, kann ich das ziemlich genau sagen. Das waren zwischen Ende November 2016 und Ende Juni 2018 rund fünf Stunden pro Woche.

Wie oft habt ihr euch getroffen – live oder am Telefon?

Wir haben uns zweimal im Jahr persönlich getroffen – während der Lektorentage sowie auf unserer jährlichen Klausurtagung in Kassel. Außerdem einmal wöchentlich im Rahmen unserer Telefonkonferenz, die in der Regel jeweils eine bis anderthalb Stunden dauert.

Wie habt ihr untereinander im Vorstand und mit den anderen Aktiven im VFLL kommuniziert?

Abgesehen von den persönlichen und den telefonischen Konferenzen in aller Regel per E-Mail, gelegentlich auch telefonisch.

Stellt sich mit der Zeit eine gewisse Routine ein, damit die Arbeit schneller geht?

Das ist zweifelsohne so. Gerade die wöchentlichen Telefonkonferenzen und die jeweils zuvor von allen Vorstandsmitgliedern erstellten Tagesordnungen mit kurzen Erläuterungen der einzelnen Punkte sind ein sehr wirkungsvoller Arbeitsrahmen. Sie sorgen für einen stetigen Informationsfluss im Kreis des gesamten Vorstandsteams und ermöglichen eine direkte Kommunikation. Dadurch können wir unsere Entscheidungen fundiert und zügig fällen – ohne umständliches Hin und Her. Diese Telefonkonferenzen empfinde ich immer als sehr angenehm, und manchmal begeistern sie mich regelrecht, zumal sie immer in einer sehr konstruktiven und herzlichen Atmosphäre stattfinden.

Konntest du mit gutem Gewissen mal krank werden oder in Urlaub fahren? Haben die anderen deine Aufgaben übernommen?

Ja, praktisch uneingeschränkt. Nur einmal war ich sehr frustriert, weil ich nicht dabei sein konnte. Das war im September 2017 bei den Lektorentagen in Berlin. Ich war wenige Tage zuvor krank geworden und auch beim besten Willen nicht reisefähig. Allerdings konnte ich ohne Weiteres darauf vertrauen, dass die anderen im Team meinen Part auf der Mitgliederversammlung übernehmen würden.

Was passiert, wenn die eigentliche Erwerbsarbeit so viel wird, dass man sich nicht um VFLL-Angelegenheiten kümmern kann?

Dann stehen die VFLL-Angelegenheiten zurück. Wichtig ist es, im Fall des Falles rechtzeitig nein zu sagen. Bei unabweisbaren bzw. dringenden und wichtigen Aufgaben springen andere aus dem Team ein.

Wie habt ihr euch die Arbeit verteilt? Müssen alle alles machen? Spielen da auch die persönlichen Vorlieben eine Rolle?

Um Gottes willen! Alle alles, das funktioniert nicht. Dann heißt es schnell: TEAM – wie „Toll, ein anderer macht’s“.  Stattdessen haben wir gleich zu Beginn in Open Atrium [so heißt das derzeit im VFLL genutzte Intranet, Anm. d . R.] eine Liste der wesentlichen Arbeitsbereiche des Vorstands angelegt. Diese Liste haben wir gemeinschaftlich mit Leben gefüllt, indem jede und jeder von uns hinter diejenigen Bereiche seinen Namen geschrieben hat, um die er bzw. sie sich gerne kümmern wollte. Die Liste war schnell komplett, weil wir alle jederzeit Einblick nehmen und sehen konnten, welche Bereiche noch unbesetzt waren und welche womöglich überbesetzt. Wir hatten also eine hervorragende Möglichkeit, unsere persönlichen Stärken und Vorlieben zum Tragen zu bringen. Und soweit ich es überblicke, gab es im Vorstand tatsächlich keine Aufgaben, die genau deswegen vernachlässigt worden wären, weil sie unliebsam waren.

Welche Aufgaben hast du im Vorstand übernommen?

Das ist schnell gesagt: Meine Hauptaufgabe war die Führung des Haushalts. Ich habe die finanzielle Lage des VFLL aufgezeichnet, habe beobachtet, wie sie sich entwickelt, und darauf geachtet, dass die Entwicklung im Sinne des Verbands verläuft. Wer sich im Lauf der letzten ein bis zwei Jahre mit dem Haushalt etwas näher befasst hat, wird vielleicht ahnen, dass das vor allem vor dem Hintergrund der Neuorganisation der Geschäftsstelle und der großen Fülle von Projektideen, die der Vorstand entwickelt, diskutiert und teils auch umgesetzt hat, nicht ganz einfach war.

Wie viel Gestaltungsfreiheit hat man als Vorstandsmitglied des VFLL?

Sehr viel mehr, als ich anfangs erwartet hatte.

Gibt es etwas aus der nun fast abgelaufenen Amtszeit, auf das du besonders stolz bist?

Ich bin stolz darauf, dass ich meine Fähigkeiten und mein fachliches Wissen für den Verband einsetzen konnte. Und ich freue mich darüber, dass nach meinem  Eindruck der Verband davon tatsächlich profitiert hat. Stolz ist im Übrigen ein großes Wort.

Konntest du etwas Nützliches durch die Vorstandsarbeit lernen?

Auf jeden Fall. Ich habe viele positive Erfahrungen gemacht. Eine davon lautet, dass Teamarbeit dann, wenn sie in einem so soliden organisatorischen Rahmen stattfindet wie in unserem Fall, ungemein effektiv sein kann – und dass sie auch zur persönlichen Weiterentwicklung wertvolle Impulse geben kann.

Wirst du auf der kommenden Mitgliederversammlung im September in Nürnberg wieder für ein Vorstandsamt kandidieren? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

Ja, ich werde wieder für das Amt des bzw. der Finanzverantwortlichen kandidieren. Die Frage nach dem Grund? Oha, nicht so leicht zu beantworten. Zum einen glaube ich, dass ich für den Verband weiterhin hilfreich sein kann. Zum anderen macht mir die Aufgabe nach wie vor Spaß. Nicht zuletzt aber meine ich, dass ein wesentliches Ziel meiner Arbeit noch nicht erreicht ist – nämlich den Haushalt des Verbands nach den letzten herausfordernden Jahren wieder in schwarze Zahlen zu führen, während wir zugleich weiterhin wichtige Vorhaben realisieren, die den Verband weiter voranbringen. Zu diesen Vorhaben gehört unter anderem, eine neue, leistungsfähigere und nachhaltig nutzbare Plattform für unsere interne Kommunikation einzuführen.

Angenommen, ich wollte für den VFLL-Vorstand kandidieren – welche Eigenschaften sollte ich unbedingt mitbringen?

Erfahrungen in der Medienbranche und insbesondere im Lektorat und eine gute Selbstorganisation. Sodann ein freundliches, zugewandtes Auftreten, Offenheit für Neues, Fähigkeit zur Selbstkritik, eine gute Auffassungsgabe, ein solides Selbstbewusstsein – also im Grunde das, was man heute gemeinhin unter den Begriffen soziale Kompetenz und emotionale Intelligenz zusammenfasst.

Interview: Sebastian Petrich

Porträtbild: © Dr. Ute Gräber-Seißinger
Großes Foto: (c) Inga Beißwänger


Dr. Ute Gräber-Seißingers Website und Profil im VFLL-Lektorenverzeichnis

Sebastian Petrichs Website und Profil im VFLL-Lektorenverzeichnis


Die Lektorentage finden vom 21. bis 23. September in Nürnberg statt.

Weitere Informationen zu den Lektorentagen 2018


Hier gehts zu einem früheren Interview mit Ute Gräber-Seißinger

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