future!publish 2019: Ein großer Wandel fürs Lektorat?!

Wie sieht die Zukunft der Buchbranche aus? Diese Frage beschäftigte bereits zum vierten Mal Expertinnen und Experten auf der Berliner Konferenz future!publish. Schon in den vergangenen Jahren war der VFLL als Verband dort vertreten. In diesem Jahr nahm VFLL-Kollege Walter Greulich als Referent mit einem Vortrag zum Thema „Daten gehören in Datenbanken“ am Kongress teil.

Von Walter Greulich

Jördis Beatrix Schulz, Leiterin des Bereichs Business Development Digital der Verlagsgruppe Oetinger, (c) Foto: Literaturtest/Sabine Felber

Wie kommt ein Unternehmen an Kundendaten? Mit dieser Frage müssen sich natürlich auch Buchverlage beschäftigen. Jördis Beatrix Schulz gab in ihrem Vortrag „Kundenkommunikation auf Webseiten / E-Commerce und Direktverkauf für Verlage“ sehr kompetent einen Einblick, wie heute Marketing in Verlagen betrieben wird oder werden kann. Mit dem Ziel, am Ende alles, was man macht, besser personalisieren zu können. Unabhängig davon, ob einem das gefällt oder nicht: Das Nutzen der Daten, die man durch aktive Kundenansprache oder durch die Zusammenarbeit mit Google, Facebook, YouTube & Co. erhält, ist immens wichtig, um genügend Umsatz erzeugen zu können.

Als Verlag kommt man heute beim Thema Marketing natürlich auch nicht mehr an sozialen Netzwerken vorbei. Influencer-Marketing scheint hier ein großes Stichwort zu sein, so die Leiterin des Bereichs Business Development Digital der Verlagsgruppe Oetinger.

Streaming ist absolut in

Sehr interessant war die Veranstaltung „Wie wir unser Publikum gefunden haben. Werkstattbericht eines Hörbuchverlags.“ Der Leiter des Argon-Verlags, der Hörbuchsparte der Holtzbrinck-Gruppe, war sehr offen in seinem Vortrag und nannte einige Zahlen. So soll bei älteren Menschen die CD als Medium noch wichtig sein, dagegen aber total out bei jungen Leuten. Absolut in ist das Streaming, mit dem sogar Jugendliche ab neun oder zehn Jahren dazu gebracht werden können, sich freiwillig mit Literatur zu beschäftigen. Der Ansatz ist hier spielerisch, dies und das kann zunächst ausprobiert und dann genauer angehört werden. Daneben spielt das Downloaden eine große Rolle, auch wenn dies teurer ist als das Streaming. Eine Entwicklung, die vermutlich künftig aus den USA herüberschwappen wird, sind Billigproduktionen von Hörbüchern. Während in Deutschland überwiegend noch großer Wert auf Qualität gelegt wird, hochkarätige Sprecher engagiert und die Aufnahmen in professionellen Studios vorgenommen werden, ist der US-Trend, Hörbücher semiprofessionell zu Hause zu erstellen.

Künstliche Intelligenz als Entscheider?

Am meisten Eindruck hinterließ jedoch ein Vortrag von Christian Kohl (Heinold, Spiller und Partner) über Anwendungsmöglichkeiten von KI-basierten Verfahren im Verlagsbereich. Fast alles in diesem Bereich befindet sich noch im Experimentierstadium, aber es scheint tatsächlich schon Verlage in den USA zu geben, die eingehende Manuskripte maschinell beurteilen und in drei Kategorien einteilen lassen: „kann unverändert veröffentlicht werden“, „muss leicht bearbeitet werden“ und „ist gründlich zu überarbeiten“.

Oder es gibt Nachrichtenagenturen, die auf Basis großer Datenmengen, die sich etwa an einem Wochenende im Sportbereich ansammeln, zusammenfassende Meldungen automatisch schreiben lassen. Bei Börsendaten scheint das bereits gang und gäbe zu sein. Zu Ende gedacht, wird es in nicht allzu ferner Zukunft möglich sein, zum Beispiel Krimis vollautomatisch zu erzeugen. Und das Lektorieren und Redigieren (engl. Copy Editing) dürfte einen großen Wandel erfahren. Auch das Indexing wird sich wohl stark ändern, denn gerade bei der KI-basierten Findbarkeit von Informationen gibt es große Fortschritte.

Vorteile durch agiles Projektmanagement?

Im Gespräch mit Teilnehmern und Vortragenden war das agile Projektmanagement (in Abgrenzung zum klassischen Projektmanagement) als Thema sehr präsent, auch bei den Workshops. Fleißig wurde dort z. B. mit Playmobil und Lego gebaut und so neue Erfahrung vermittelt. Auf den ersten Blick mag man darüber schmunzeln, aber vielleicht ist ja wirklich eine vollkommen neue Denkweise nötig, um die Managementaufgaben zu lösen und Verlage zukunftsfähig zu machen. Und wer weiß: Vielleicht könnte sogar das freie Lektorat von agilen Impulsen profitieren?

Im Workshop „Probleme spielend lösen – mit PLAYMOBIL®-Figuren“, (c) Foto: Literaturtest/Sabine Felber

(c) Fotos: Literaturtest/Sabine Felber


Zu den Folien von Walter Greulichs Vortrag zum Thema „Daten gehören in Datenbanken“ auf der future!publish 2019


Walter Greulichs Website und Profil im VFLL-Lektorenverzeichnis


Zu den bereits erschienenen future!publish-Beiträgen:
future!publish 2018: Die Zukunft des Publizierens. Auf der Suche nach dem Text (2018)
„Der Text hat’s in sich‘ – Semantik bei der Content-Strukturierung“ (2018)
Das Lektorat: (k)ein Ort für digitale Innovationen? (2017)
So lesen, arbeiten und publizieren wir in der Zukunft (2017)
Lektoren als Partner in Zeiten des digitalen Wandels (2016)
Print oder digital? Beides – aber anders (2016)

2 Gedanken zu „future!publish 2019: Ein großer Wandel fürs Lektorat?!

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