VFLL-Kollegin Gabi Trillhaas

„Mehr als einmal hätte ich mich am Ende eines Satzes gern korrigiert“

„Jeder, der selbst schon mal einen Text überarbeitet hat, wundert sich, was andere plötzlich für Fehler darin finden“, so das Statement von Lektorin Gabi Trillhaas zu Beginn ihres Radiointerviews im Hessischen Rundfunk. Moment, eine VFLL-Kollegin – noch dazu in der Jury des Diktatwettbewerbs – gibt ein Radiointerview? Aber bitte sehr, immer schön der Reihe nach.

von Gabi Trillhaas

2018 war Gabi Trillhaas Mitglied der Jury, anschließend interviewte sie der Hessische Rundfunk. Hier das VFLL-Team 2018 (von links): Dr. Ute Gräber-Seißinger, Christiane Kauer, Monika Großpietsch, Dr. Andrea Wicke, Dr. Michael Behrendt, Gabi Trillhaas / (c) Stiftung Polytechnische Gesellschaft/Dominik Buschardt

Das versprach spannend zu werden: Nachdem ich in den Vorjahren im bundesweiten Finale des Diktatwettbewerbs bereits im VFLL-Team mitgeschrieben hatte, durfte ich 2018 für den Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren in der Jury mitwirken. Kaum hatte ich mich gemeldet, fragte eine Redakteurin des Hessischen Rundfunks an, ob ich ihr im Anschluss ein paar Fragen beantworten würde – mein erstes Radiointerview! Juliane Spatz vom hr ließ mir im Vorfeld noch ein paar Stichworte zukommen und ich fing an zu überlegen, wie ich diese Chance bestmöglich nutzen konnte: Nicht fehlen durften die Themen Rechtschreibung, Bedeutung von Korrektorat und Lektorat und natürlich der Verband, aber ich wollte auch auf den Reichtum und das Schöne der deutschen Sprache hinweisen. Schließlich war es noch nicht so lange her, dass Petra Pfeuffer unsere Frankfurter Regionalgruppe zum Sommerausflug in die Grimm-Welt nach Kassel geführt hatte und wir Luther(n) und den Gebrüdern Grimm buchstäblich „aufs Maul“ hatten schauen dürfen.

VFLL-Kollegin Gabi Trillhaas

Lektorin und VFLL-Kollegin Gabi Trillhaas im hr-Radiointerview

Das Interview selbst dauerte fast eine ganze Stunde und mehr als einmal hätte ich mich am Ende eines Satzes gern korrigiert, aber das war leider nicht möglich. Kurze Zeit später meldete sich Juliane Spatz und ließ mich wissen, das Interview hätte in der Sendung keinen Platz mehr gefunden, es würde zu einem späteren Zeitpunkt verwendet werden … So richtig glauben wollte ich es ja nicht, aber tatsächlich wurde ein guter Teil meiner Aussagen in die Sendung zum Diktatwettbewerb 2019 eingefügt, ganz prima platziert in den ersten 15 Minuten zwischen Frau Dr. Kunkel-Razum (Duden-Redaktion) und Werner d’Inka (Herausgeber der FAZ). Richtig Werbung für den Verband und unser Thema hat übrigens Monika Großpietsch gemacht, die den Diktatwettbewerb 2019 in der Kategorie Publikum zum dritten Mal in Folge gewonnen hat.

Zum Schluss noch ein Hinweis auf ein Ereignis, das alle angeht, die Kultursendungen im Radio schätzen: Der Hessische Rundfunk hat beschlossen, die Struktur des Senders hr2kultur stark zu verändern: Künftig soll im Radio vorwiegend klassische Musik gespielt werden, das heißt entfallen werden alle Wortbeiträge: Buch- und Konzertbesprechungen, Hinweise auf Veranstaltungen, Interviews mit Kulturschaffenden und so weiter. Gegen dieses Vorhaben regt sich bereits einiger Protest und es gibt auch eine Online-Petition.

Die Sendung kann abgerufen werden unter https://www.hr2.de/gespraech/kulturgespraech/kulturszene-hessen–der-grosse-diktatwettbewerb–auch-online-hoeren,id-kulturszene-494.html. Das Interview mit Gabi Trillhaas beginnt ab Minute 13:38.

Fotos: VFLL-Team 2018 / © Stiftung Polytechnische Gesellschaft/Dominik Buschardt;
Porträt Gabi Trillhaas, © privat


Gabi Trillhaas‘ Website und VFLL-Profil


Weitere Beiträge zum Diktatwettbewerb:
„Rechtschreibung wird viel zu wenig ernst genommen“ (2018)
Kein Diktat zum Davonlaufen (2017)
Von Rechtschreibassen und Wortdompteuren (2017)
Beim Sprachsport die Rechtschreibung trainiert (2016)

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