Lektorenverband VFLL Rezension Test Duden Korrektor Bild: EPC

Der neue Duden-Korrektor – Kollege Computer?

Nach der Übernahme des Duden-Verlags durch Cornelsen wurde die Sparte Sprachtechnologie 2014 endgültig eingestellt – das Ende des Korrekturprogramms „Duden Korrektor“  schien besiegelt. Aber hinter den Kulissen hat ein Team von Computerlinguisten das Programm weiterentwickelt, und 2016 stellte der Hersteller EPC die Version 12.0 vor. Jürgen Hahnemann hat getestet, was der neue Duden-Korrektor kann – und was nicht.

Von Jürgen Hahnemann

Im Folgenden soll der neue Duden-Korrektor nicht einfach vorgestellt werden, vielmehr steht die Frage im Vordergrund, ob und wie sich das Programm sinnvoll im Lektoratsalltag einsetzen lässt. Hierzu habe ich das Programm über verschiedene Manuskripte laufen lassen, die für meine Arbeit typisch sind. Aus diesem Grund lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres verallgemeinern, denn natürlich gibt es auch andere Einsatzgebiete mit abweichenden Kriterien.

Ein Hinweis noch vorab: Einige Kinderkrankheiten der Version 12.0 sind mittlerweile behoben, auf die hier auch nicht weiter eingegangen wird. Stattdessen beschränke ich mich auf die Empfehlung, das kostenlose Update auf Version 12.1 zu installieren, das der Hersteller auf seiner Website bereitstellt. Dann lässt sich der „Duden Korrektor für Microsoft Office“ (und nur auf diesen beziehen sich die folgenden Ausführungen) in Word und Outlook einsetzen, aber nicht in Excel und PowerPoint – im Gegensatz übrigens zur Vorgängerversion.

Warum heißt der „Duden Korrektor“ eigentlich so?

Korrekturleser dürften sich schwertun mit dem Namen des Programms, der suggeriert, es könne die menschliche Arbeit am Text zumindest teilweise ersetzen. Aber auch die aktuelle Version des Duden-Korrektors bleibt weit hinter solchen Hoffnungen zurück: Zwar findet das Programm nicht nur Rechtschreib-, sondern auch Zeichensetzungs- und Grammatikfehler, andererseits aber bleiben viele Fehler unentdeckt. Zudem findet der Duden-Korrektor zahllose vermeintliche Fehler, die in Wirklichkeit gar keine sind. Schon ich als Lektor habe viel Zeit zum Abarbeiten solcher „Fehlalarme“ gebraucht – wer aber mit den Rechtschreib- und Kommaregeln nicht vertraut ist, wird vermutlich seine liebe Not mit den Kommentaren des Programms haben. Eine Autorin zum Beispiel, mit der ich diese Kommentare gemeinsam durchgesehen habe, konnte – obwohl durchaus belesen – in vielen Fällen gar nicht nachvollziehen, warum ihr der Duden-Korrektor offensichtlich korrekte Stellen als potenzielle Fehler präsentiert.

Auch eine zweite, eigentlich selbstverständliche Erwartung, die sich mit dem Namen des Programms verbindet, hat sich nicht erfüllt – nämlich dass der Duden-Korrektor ein Manuskript nach Duden korrigiert: Zum Beispiel will er „Aids“ in „AIDS“ korrigieren, obwohl die Schreibweise mit Großbuchstaben überhaupt nicht im Duden zu finden ist. Und entgegen Dudenempfehlung schlägt er beim „öffentlichen Dienst“ selbst dann die Großschreibung des Adjektivs vor, wenn der Prüfstil „Dudenempfehlung“ eingestellt ist.

Test Duden-Korrektor Lektorenverband VFLL

Tut’s wirklich weh oder nur im übertragenen Sinne?

Auch der Hinweis, man könne das Wort „wehtun“ bei übertragener Bedeutung zusammenschreiben – bei konkreter Bedeutung also auseinander? –, hinterlässt einige Ratlosigkeit: Eine Faustregel, wie der Duden-Korrektor hier vorschlägt, hat es nie gegeben. Seit der letzten Revision der Getrennt- und Zusammenschreibung im Jahr 2006 sind beide Schreibweisen zulässig und Duden empfiehlt die Zusammenschreibung – unabhängig davon, ob sich jemand an einem scharfen Messer geschnitten hat oder ihn ein aufgebrummtes Bußgeld schmerzt.

Die Arbeit mit dem Duden-Korrektor

Die offensichtlichste Neuerung von Version 12 ist der Duden-Korrektor-Aufgabenbereich: Im Gegensatz zu früheren Versionen öffnet sich nach erfolgter Korrektur kein kleines Fenster mehr, mit dessen Hilfe man sich durch die potenziellen Fehlerstellen klicken kann, sondern ein Aufgabenbereich rechts neben dem Dokument. Zusätzlich werden die Fehlerstellen im Dokument selbst mit einer farbigen Hervorhebung versehen (siehe großes Bild oben).

Wenn man im Aufgabenbereich auf einen Fehler oder aber im Dokument auf eine markierte Stelle doppelklickt, springt die Anzeige auch im anderen Fenster an die entsprechende Stelle. Dies ermöglicht ein komfortables Arbeiten, das durch weitere Funktionen unterstützt wird. So sind die Fehlerstellen nicht nach der Reihenfolge im Dokument sortiert, sondern nach Fehlerkategorien, sodass man ähnliche Fehler im Zusammenhang sehen und miteinander abarbeiten kann. Aber auch der Tatsache, dass man mit diesem Vorgehen bei umfangreichen Manuskripten schnell die Übersicht verliert, trägt der Duden-Korrektor Rechnung – nämlich mit der Einstellung, dass die Anzeige nach dem Ignorieren oder Ändern einer Fehlerstelle automatisch zum nächsten Fehler im Dokument springt. So kann man sich auch in der Reihenfolge des Manuskripts durch die potenziellen Fehlerstellen klicken.

Diese zugleich übersichtliche und variable Herangehensweise ist grundsätzlich positiv, dennoch bleibt ein Wermutstropfen, der vor allem bei umfangreichen Dokumenten ins Gewicht fällt. Wenn man nämlich die Fehler in Textreihenfolge abarbeitet, wird die aktuell markierte Fehlerstelle im Aufgabenbereich mal oben, mal in der Mitte und mal ganz unten angezeigt. Und bei langen Fehlerlisten kommt es vor, dass die aktuelle Stelle gar nicht im Aufgabenbereich zu finden ist – dann ist mühsames Scrollen und Suchen angesagt. Was zunächst als Lappalie erscheint, beginnt bei Hunderten von abzuarbeitenden Fehlerstellen irgendwann zu nerven: Mit der Fehlerstelle springen ja auch die Buttons zum „Ignorieren“ oder „Ändern“ der Fehler im Aufgabenfenster hin und her, was ein rasches Abarbeiten per Mausklick deutlich erschwert. Dieses Problem ist übrigens laut Auskunft des Herstellers bekannt und soll mit einem künftigen Update behoben werden, an dem zurzeit gearbeitet wird.

Was der neue Duden-Korrektor kann – und was nicht

Test Duden-Korrektor Die verschiedenen Prüfstile

Die verschiedenen Prüfstile

Fast unnötig zu erwähnen, dass der Duden-Korrektor weiterhin verschiedene Prüfstile beherrscht, die – bis auf die Einstellung „Tolerant“ – eine konsistente Schreibweise gewährleisten. Darüber hinaus ist eine optionale Stilprüfung möglich, die wahlweise dialektale Ausdrücke, veraltete Wörter, Umgangssprache, Fachbegriffe und/oder zu lange Sätze markiert. Und auch die „Fehlerfindigkeit“ ist noch einmal spürbar besser geworden. Jedenfalls hat der Duden-Korrektor des Öfteren ein anerkennendes Nicken von mir bekommen, wenn er zum Beispiel knifflige Kongruenzfehler gefunden hat oder das fehlende Komma in Sätzen wie „Sie versprach, sich bald wieder zu melden und verschwand“. Wer wissen will, was das Programm sonst noch findet, kann das auf dem Datenblatt nachlesen, das der Hersteller auf seiner Website bereitstellt.

Duden-Korrektor Test

Dieses Wort kennt weder Word noch der Duden.

Nach einigem anerkennenden Nicken stellt sich mir die Frage, warum ich eigentlich die alte Version aus dem Hause Duden, die ja schon viele Jahre auf meinem Rechner schlummert, nicht öfters benutzt habe. Und dann erinnere ich mich: Ich habe die Vorgängerversion zwar selten benutzt, dafür lief sie aber im Hintergrund immer automatisch mit. Wer die roten Schlangenlinien kennt, die Word bei echten oder vermeintlichen Rechtschreibfehlern unter den Text setzt, hat sich vermutlich des Öfteren gewünscht, dass diese Funktion zuverlässiger und vor allem beeinflussbar wird, weil die integrierte Rechtschreibprüfung von Word – wie soll man’s ausdrücken? – nicht wirklich ernst zu nehmen ist. Genau das konnte der alte Duden-Korrektor, sodass die roten Schlangenlinien früher fast automatisch eine konsistente Schreibweise gewährleistet haben, zumindest bei regelmäßiger Pflege des Benutzerwörterbuchs.

Auch die Word-Trennungsroutine ließ sich mit dem alten Duden-Korrektor beeinflussen, wie man es ansonsten nur von einem Satzprogramm kennt. Diese Funktion fehlt in der neuen Version ebenfalls, sodass meine Word-Dokumente nach der Installation plötzlich unerwünschte Trennungen wie „Inst-rument“ „o-der“ „Inte-resse“ enthalten, die ich manuell beseitigen muss. Ein echter Rückschritt gegenüber früher, wenn man zum Beispiel Druck-PDFs direkt aus Word heraus erstellen oder Autoren einen überarbeiteten Text im PDF-Format schicken will. So kam nach der Installation der neuen Programmversion postwendend und mehrfach die irritierte Rückfrage von Autoren: „Die Trennungen ändern sich aber im Druck noch, oder?“

Erst ein Anruf beim Hersteller überzeugt mich davon, dass diese vertrauten Funktionen mit der neuen Version tatsächlich über den Jordan gegangen sind. Als Grund nennt man mir die Systemstabilität, weil Microsoft keine passende Plugin-Schnittstelle mehr zur Verfügung stellt. Und wenigstens einen kleinen Trost: Die Silbentrennung mit verschiedenen Trennstilen soll es in einer künftigen Programmversion wieder geben, aber mangels Schnittstelle nicht mehr direkt im Dokument, sondern im Korrektor-Aufgabenbereich.

Praxistest, Teil I

Mein erstes Testobjekt sind die Lebenserinnerungen einer Erstautorin, die in kleiner Auflage für Familie und Freunde gedruckt werden sollen. Obwohl die Autorin durchaus belesen ist, ist schon auf den ersten Blick zu erkennen, dass es sich um ein typisches Erstlingswerk mit jeder Menge Rechtschreib- und Kommafehlern handelt. Vor dem Lektorat lasse ich den Duden-Korrektor über das Manuskript laufen:

• Für 234 Normseiten à 1.500 Zeichen braucht das Programm knapp 11 Minuten, dann präsentiert es mir 1.288 potenzielle Fehlerstellen.
• Für die Sichtung brauche ich gut anderthalb Stunden, danach haben sich die Fehlerstellen auf insgesamt 335 „echte“ Fehler und 44 Abweichungen von den Dudenempfehlungen reduziert.
• Insgesamt also eine Trefferquote von 29,4 Prozent – der Rest sind Fehlerstellen, die der Duden-Korrektor zu Unrecht markiert hat.
• Für Korrektur und Durchsicht der letztendlich 379 Fehler habe ich insgesamt 105 Minuten gebraucht, das macht rein rechnerisch 17 Sekunden pro gefundenem Fehler.

Dieses Ergebnis ist besser als erwartet – ich weiß zwar nicht, wie viel Zeit mich die manuelle Korrektur der Fehlerstellen gekostet hätte, vermute aber eine ähnliche Größenordnung. Aber beim anschließenden Lektorat des „korrigierten“ Manuskripts setzt Ernüchterung ein: Immer noch enthält es eine Vielzahl von Komma- und Rechtschreibfehlern, zum Beispiel die berüchtigten „Deppenleerzeichen“ oder Fehler bei der Groß- und Kleinschreibung. Die Frage, ob es ein sinnvoller Arbeitsschritt war, vor dem Lektorat den Duden-Korrektor vorzuschalten, bleibt unbeantwortet: Die 379 vorab getilgten Fehler hätte ich mit ähnlichem Zeitaufwand auch beim Lektorat gefunden, und einen Teil davon habe ich unnötigerweise korrigiert, weil ich beim anschließenden Lektorat noch stilistisch eingreifen und viele Passagen umformulieren musste.

Praxistext, Teil II

Deshalb teste ich als nächsten Schritt mehrfach das umgekehrte Vorgehen: erst Lektorat, dann Duden-Korrektor – als nachträgliche Qualitätskontrolle sozusagen. Das Ergebnis fällt bei allen getesteten Manuskripten gleich aus: Obwohl die Anzahl der potenziellen Fehlerstellen immer im drei- bis vierstelligen Bereich liegt, finde ich nur noch ganz vereinzelt Rechtschreib- oder Kommafehler, und in den meisten Fällen handelt es sich dabei nicht um „echte Fehler“, sondern um Anpassungen an Dudenempfehlungen. Die Trefferquote liegt jeweils deutlich unter 1 Prozent, dafür habe ich aber viele Stunden damit verbracht, angebliche Fehler zu prüfen und zu „Ignorieren“. In diesem Fall erscheint mir die Benennung dieses Buttons doch sehr euphemistisch – wo nichts ist, gibt es schließlich auch nichts zu ignorieren.

Hier zeigt sich die grundsätzliche Problematik des Duden-Korrektors: Seine möglichen Vorteile werden durch den hohen Aufwand zunichte gemacht, den es bedeutet, die unzähligen vermeintlichen Fehlerstellen zu prüfen und durchzuwinken. Dies gilt auch für das anfangs getestete Erstlingswerk, bei dem es sich ja „nur“ um Lebenserinnerungen handelt, weil selbst ein solches Manuskript zahlreiche Eigennamen und dialektale Ausdrücke enthält, die das Programm durchweg als Fehler markiert. Zudem behauptet es bei jeder Überschrift und Bildunterschrift von Neuem, dass der Punkt am Ende fehlt – beim hundertsten Wegklicken beginnt auch diese Fehlermeldung zu nerven.

Praxistest, Teil III

Bisher fällt mein Ergebnis also recht zwiespältig aus, aber vielleicht gibt es ja noch eine ganz andere Einsatzmöglichkeit für den Duden-Korrektor – wissenschaftliche Fachliteratur nämlich, die häufig nach Typoskript, also ganz ohne Lektorat gedruckt wird. Darum lasse ich das Programm über eine wirtschaftswissenschaftliche Studie laufen, die nur formal gerichtet, aber nicht lektoriert oder Korrektur gelesen werden soll. Auch wenn die Autoren regelmäßig publizieren, lassen sich vielleicht mithilfe des Duden-Korrektors die letzten verbliebenen Fehler mit vertretbarem Aufwand korrigieren.

• Für 275 Normseiten à 1.500 Zeichen braucht der Duden-Korrektor diesmal 8 Minuten; am Ende präsentiert er mir 1.095 potenzielle Fehlerstellen.
• Für die Sichtung brauche ich wieder gut anderthalb Stunden und stelle fest, dass die Autoren gut gearbeitet haben: Am Ende bleiben nur 28 „echte“ Fehler übrig, außerdem 14 Anpassungen an Dudenempfehlungen und ein fehlendes fakultatives Komma, das an anderen Stellen gesetzt ist.
• Insgesamt also eine Trefferquote von 3,9 Prozent. Für die Korrektur von 43 Fehlern habe ich wieder 105 Minuten gebraucht, also 2,4 Minuten pro gefundenem Fehler – oder, wenn ich in diesem Fall Rechtschreibvarianten gelten lasse, 3,8 Minuten pro „echtem“ Fehler.

Diesmal fällt das Verhältnis von Aufwand und Ertrag also deutlich ungünstiger für den Duden-Korrektor aus. Zudem ist ein Durchschnitt von einem Fehler pro 6,4 Normseiten (bzw. einem „echten“ Fehler pro 9,8 Normseiten) bei wissenschaftlicher Fachliteratur durchaus tolerierbar – zumal es sich bei diesen Fehlern nicht um Tippfehler handelt, sondern meist um alte Rechtschreibung oder Fehler bei der Getrennt- und Zusammenschreibung. Das soll nicht heißen, dass ich es befürworte, wenn solche Fehler gedruckt werden, aber aus der Perspektive des Auftraggebers betrachtet komme ich zu dem Ergebnis, dass der Einsatz des Duden-Korrektors in diesem Fall nicht gerechtfertigt war.

Der grundsätzlichen Problematik zweiter Teil: In wissenschaftlichen Texten tritt das Problem der „Fehlalarme“ in potenzierter Form auf – nicht nur wegen der zahlreichen Fachbegriffe, die das Programm nicht kennt, sondern auch wegen der vielen Autorennamen in Literaturangaben und ‑verweisen. Und wenn Manuskripte so stark durchstrukturiert sind, wie dies bei wissenschaftlichen Studien nun mal der Fall ist, weist mich der Duden-Korrektor zudem noch auf unzählige angeblich fehlende Satzschlusszeichen in Überschriften, Aufzählungen und Tabellen hin, die aber überhaupt keine Fehler sind – genauso wenig wie die Kleinschreibungen am Zeilenanfang von Aufzählungen und Tabellen, die er mir ebenfalls als Fehler markiert.

Fazit

Ein Einsatz des Duden-Korrektors als „Qualitätskontrolle“ nach erfolgtem Lektorat lohnt sich wegen der vielen zu Unrecht markierten Fehler nicht. Ob es sinnvoll ist, das Programm vor dem Lektorat übers Manuskript laufen zu lassen, scheint mir eine Frage des persönlichen Arbeitsstils: Ich weiß von Kolleginnen und Kollegen, die den neuen Duden-Korrektor-Aufgabenbereich als optische „Gedächtnisstütze“ neben dem eigentlichen Manuskript durchaus schätzen. Mich persönlich stört es allerdings bei der konzentrierten Textarbeit, wenn ich neben dem Manuskript noch ein zusätzliches Fenster auf dem Bildschirm beachten muss – nur um keine Fehler zu übersehen, die ich ohnehin zu 99,9 Prozent gefunden hätte. Dabei sorgt insbesondere der hohe Anteil an „Fehlalarmen“, also an zu Unrecht markierten Fehlerstellen, für Unübersichtlichkeit und macht zusätzliche Arbeit, weil ich mich ja auch dann mit den Kommentaren des Duden-Korrektors auseinandersetzen muss, wenn überhaupt kein Fehler vorliegt.

Wenn überhaupt, scheint mir der Einsatz des Programms nur bei kürzeren und fehlerintensiven Manuskripten sinnvoll, weil Übersichtlichkeit und Fehlerquote dann ein vertretbares Maß annehmen – aber genau solche Manuskripte habe ich normalerweise nicht auf dem Schreibtisch. Und auch den Blick in den Duden kann das Programm nicht ersetzen, schlägt es doch mitunter Schreibweisen vor, die überhaupt nicht dudenkonform sind.

Ganz anders fiele mein Fazit aus, würde der Duden-Korrektor weiterhin die roten Schlangenlinien und die Silbentrennung von Word direkt beeinflussen, wie es die Vorgängerversion noch konnte. Denn dann könnte man Tippfehler oder Abweichungen vom gewünschten Prüfstil mit minimalem Aufwand korrigieren, vom Vorteil der beeinflussbaren Silbentrennung ganz zu schweigen. Darum habe ich für meinen Teil wieder den „alten“ Duden-Korrektor installiert und werde diesen so lange wie möglich nutzen – in der Hoffnung, dass entweder Rechtschreibprüfung und Silbentrennung von Word besser werden oder es irgendwann wieder ein Programm gibt, das die Kunst beherrscht, sich direkt in Word einzuklinken.

Jürgen Hahnemann (mit Dank an Gabriele Oldenburg und Marion Schweizer, die mir von ihren Erfahrungen mit dem Programm berichtet haben)

Hier gibt’s die Testversion und Lizenzversionen des „Duden Korrektor 12 für Microsoft Office“ zum Download. Der Duden-Korrektor ist auch für Adobe InDesign und InCopy erhältlich, Download hier. VFLL-Mitglieder erhalten Rabatte. Mehr dazu im Mitgliederbereich auf der VFLL-Website.

Großes Bild: Der Duden-Korrektor bei der Arbeit mit einem Word-Dokument (Bild: EPC)

3 Gedanken zu „Der neue Duden-Korrektor – Kollege Computer?

  1. Michael Kanthak

    Hallo Jürgen,
    ein klasse Bericht: alles Wesentliche in gebotener Ausführlichkeit und dennoch konzis dargeboten – und das alles mit dem unschätzbaren Erfahrungswissen eines Lektors, der aufgrund langjähriger Berufspraxis und Erfahrung weiß, was WIRKLICH nützlich und hilfreich ist – und was nicht (und was im Gegenteil nur noch unnütze Mehrarbeit produziert). Anscheinend ziehen die Verantwortlichen bei der Entwicklung keine(n) fähigen Lektor(en) hinzu. Und man muss sich fragen: Für welche Zielgruppe ist der Duden Korrektor eigentlich entwickelt worden (sofern man sich darüber überhaupt Gedanken gemacht hat)?

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  2. Julian von Heyl

    Herzlichen Dank für den ausführlichen Erfahrungsbericht, der sich im Wesentlichen mit meinen Beobachtungen deckt. Der Nutzwert des Programms ließe sich sicher auf einfache Weise steigern, wenn es möglich wäre, Fehler eines bestimmten Typs nicht nur einzeln, sondern auch kategorisch zu ignorieren – zum Beispiel angeblich falsche „Kleinschreibung am Satzanfang“.

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  3. Inge Noeninger

    Ein ganz besonders herzliches Dankeschön an Herrn Hahnemann für diesen äußerst sorgfältigen Bericht! Insbesondere durch die Gründlichkeit der verschiedenen Test, die Herr Hahnemann mit dem Programm durchgeführt hat, ist dieser Erfahrungsbericht so aussagefähig wie ich schon seit ewigen Zeiten keinen mehr gesehen habe. Nochmals meinen herzlichen Dank!
    Inge Noeninger, Rechtsübersetzerin, Kanada

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