Messe als Familientreffen: VFLL auf der BuchBerlin ganz nah dran

2019 fand bereits zum 6. Mal die BuchBerlin statt. Auch VFLL-Mitglied Andrea Weil hat während der Messe den Stand betreut. Nun hat sie ihre Erlebnisse auf die Messe und während ihres Standdienstes Revue passieren lassen und daraus einen persönlichen Rückblick verfasst.

Von Andrea Weil

„Ich bin Studentin und möchte meine Masterarbeit über den Lektorenberuf schreiben.“ Sie lächelt mich an, etwas abgehetzt und aufgeregt. Das ist neu – noch eine Zielgruppe. Bislang habe ich vor allem Fragen von Autorinnen zum Thema Lektorat und von Lektoren zum Thema Verband beantwortet. Standdienst für den Verband freier Lektorinnen und Lektoren zu machen, wird nie langweilig. Erst recht nicht auf der 6. BuchBerlin.

„Für Vielfalt, Miteinander & Aufmerksamkeit“ – das Motto der BuchBerlin 2019

Nicht umsonst gehört es zum Konzept der Messe, eine entspannte, familiäre Atmosphäre zu schaffen, in der Leser*innen, Autor*innen, Verleger*innen und andere Branchenmitglieder miteinander ins Gespräch kommen können. „Für Vielfalt, Miteinander & Aufmerksamkeit“ ist das diesjährige Motto, und das spiegelt sich in der Auswahl der 300 Aussteller wider: Hauptsächlich sind dies Kleinverlage, Selfpublisher*innen und Autor*innenkollektive wie die neu gegründeten Berlin Authors oder „Die Uferlosen“, die sich als „que(e)r durch alle Genres“ bezeichnen. Überall im großen Saal des Mercure Hotels in Moabit hängen Regenbogenfahnen. Hier wirbt „Amalia Zeichnerin“ für Diversität und Repräsentation, ein paar Meter weiter signiert Bestseller-Autor Bernhard Hennen Bücher und plaudert mit Fans. Er hat gerade am Vorabend den Deutschen Phantastik Preis mit nach Hause genommen, der im Rahmen der Messe verliehen wird.

Die BuchBerlin wächst kontinuierlich

Ich habe die erste BuchBerlin 2014 erlebt, damals noch im Audimax der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), als der Eintritt noch 2,50 Euro kostete und sich die 60 Tische ein wenig in dem Saal verloren. Seither ist die Buchmesse jährlich gewachsen, aus Platzmangel mehrfach umgezogen, mittlerweile die drittgrößte ihrer Art in Deutschland – und schon wieder bedauern Besucher*innen, dass die „Kuschelecken“ zugunsten von mehr Ständen verkleinert wurden. Fragt man die Teilnehmer*innen, warum sie hier sind, kommen zwei Argumente: bezahlbare Standpreise (besonders, nachdem Leipzig vor ein paar Jahren kräftig angezogen hat) und eben jene Publikumsnähe.

1001 Fragen der Besucher*innen am Stand

Das ist auch das, wovon wir Lektor*innen profitieren, wenn wir in Berlin am Stand stehen: Autor*innen steuern uns gezielt an und fragen: Wo finde ich einen Lektor oder eine Lektorin, der/die zu mir passt? Wie läuft die Zusammenarbeit ab? Wie viel kostet das? Letztere Frage ist am schwersten zu beantworten, weil dies ja von den Wünschen der Kund*innen abhängt. Deshalb erkläre ich erst einmal den Unterschied zwischen Korrektorat, inhaltlichem und stilistischem Lektorat und verweise immer wieder gern auf das VFLL-Lektoratsverzeichnis und die Möglichkeit, eine Anfrage an den E-Mail-Verteiler zu stellen. Ein Kollege kommt vorbei und erkundigt sich nach den Aufnahmekriterien in den Verband, und gerade so kann ich ihn davon abhalten, mir einen Tausend-Seiten-Wälzer als Arbeitsprobe in die Hand zu drücken – schließlich bin ich nur zugereist aus Grimma, um für drei Stündchen meiner ehemaligen Regionalverbandsgruppe auszuhelfen. Mit acht Leuten decken wir beide Tage ab, das ist harte Arbeit, macht aber auch Spaß, vor allem, wenn man zu zweit ist.

Barrierelos ins Gespräch kommen

Lektorin und VFLL-Mitglied Andrea Weil, Foto: © Hans Peter Roentgen

Gisela Lehmeier, Regionalsprecherin Berlin, hatte die großartige Idee, die Stühle vor den Tisch zu stellen und nicht dahinter, sodass keine Barriere zwischen mir und meinen Gesprächspartner*innen ist und ich sie auch mal zum Sitzen einladen kann. Es fällt mir ziemlich leicht, zu erkennen, wer am Rande herumschleicht und schaut, als ob er reden möchte – nicht umsonst habe ich schon für eine Freundin auf Mittelaltermärkten Met verkauft, auch wenn der Tonfall dort etwas rauer ist. Der Messesonntag ist ein ganzes Stückchen ruhiger als der Samstag, bestätigen mir die Kolleginnen. Am Vortag war bis zum frühen Nachmittag besonders reger Betrieb und manche Worte gehen uns natürlich runter wie Öl: Eine Selfpublisherin erzählt, dass sie ihr erstes Buch „einfach so“, ohne Lektorat und ohne Korrektorat veröffentlicht habe und diesen Fehler nicht nochmal machen wolle.

Wertvolle Arbeit, die ihren Preis hat

Was mir positiv auffällt: Die Autor*innen, die mit mir sprechen, ob frisch oder erfahren, sind alle gut vorbereitet und niemand streitet darum, dass wir für unseren Beitrag bezahlt werden. Den Eindruck bestätigt mir Gisela Lehmeier. „Ich bin seit drei Jahren dabei und habe den Eindruck, dass sich in dieser Zeit viel getan hat. Von denen, die ‚so viel Geld‘ verlangen, werden wir mehr und mehr zu denen, deren Arbeit ‚wertvoll ist und etwas kostet.‘“

Fotos: © Hans Peter Roentgen
Großes Foto (VFLL-Standschild): © Inga Beißwänger

Mehr Informationen zur BuchBerlin


Andrea Weils Website und VFLL-Profil


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„Wir finden jeden Wurm im Apfel“ (BuchBerlin 2018)
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