Schreibtisch Felix

Vorstandsvorstellung. Heute: Felix Wolf

Wer auf den Lektorentagen in Hamburg dabei war, erinnert sich sicher daran, wie Felix Wolf eine Mittäterschaft im Vorstand freundlich ablehnte. Doch als sich das Podium nach und nach mit potenziellen Vorstandskandidatinnen füllte, wurde er gewissermaßen von seinem eigenen Engagement übermannt und begab sich mit den Worten „Ach, was solls“ nach vorn. Da ich neben ihm saß, konnte ich seinen inneren Konflikt live mitverfolgen. Selten habe ich mich über ein „Ach, was solls“ so gefreut.

Und wie geht es Felix mit seiner Entscheidung? Lest selbst und lasst Euch motivieren!

Seit wann bist du im Vorstand und welches Aufgabengebiet hast du?

Ich wurde auf der Mitgliederversammlung im September 2014 in den Vorstand gewählt. Vorher war ich in der Arbeitsgruppe Digitalisierung und im Fortbildungsteam aktiv, und so sind diese Themen auch meine Schwerpunkte in der Vorstandsarbeit. Außerdem bin ich Ansprechpartner für Fragen rund um die IT des Verbands.

Warum hast du dich in den Vorstand wählen lassen? Gibt es etwas, das du verändern willst?

Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich für das Vorstandsamt infrage komme – bis zur Mitgliederversammlung 2014, als der alte Vorstand um Kandidatenvorschläge bat und ich plötzlich und total unerwartet meinen Namen hörte. (Danke, Wolfgang Pasternak!) Zugegeben, ich habe zunächst abgelehnt, weil ich kurz vorher zum ersten Mal Vater geworden war. Nach ein wenig Bedenkzeit sah ich aber eine tolle Chance, die Verbandsarbeit auf einer ganz neuen Ebene mitzugestalten, vor allem in Bezug auf mein Lieblingsthema, den Wandel unseres Berufsbilds durch die Digitalisierung. Ich finde es faszinierend, wie sich die Lesekultur verändert und Veröffentlichungswege sich erweitern, und ich möchte diese Begeisterung auch in den Verband hineintragen. Außerdem möchte ich dazu beitragen, dass unsere gute Öffentlichkeitsarbeit, bei der in den letzten Jahren sehr viel passiert ist, fortgesetzt und weiter ausgebaut wird. Es wird immer wichtiger, Aufmerksamkeit und Interesse für unseren Beruf zu wecken, denn durch die Digitalisierung explodiert auch die Zahl unserer potenziellen Kunden. Die müssen alle erfahren, dass es unsere Dienstleistung gibt, und sie sollen wissen, dass unsere Mitglieder kompetente Partner für die Produktion aller Medienformate sind – egal ob digital oder gedruckt.

Wie verträgt sich die Vorstandsarbeit mit deinen sonstigen Aufgaben? Musstest du nach Amtsantritt viel umstrukturieren?

Ja. Allerdings hat das ganz gut gepasst, denn mein Privatleben wurde (und wird) ja auch gerade komplett umgekrempelt. Um genug Freiraum für meine Familie zu haben und gleichzeitig alle Aufgaben unterzubringen, musste ich die Zeit, die mir zur Verfügung steht, sehr stark durchstrukturieren. Die zusätzliche Arbeit durch das Vorstandsamt war dabei nur einer von vielen Schauplätzen. Inzwischen hat der VFLL seinen festen Platz in meiner Arbeitswoche, und ich versuche, dort möglichst viel zu bündeln.

Felix Wolf (Foto: Joy E. Kröger)

Felix Wolf (Foto: Joy E. Kröger)

Wie arbeitest du überhaupt so? Bist du ein Stapler oder ein Sortierer? Zeigst du uns ein Foto von deinem Schreibtisch?

Sortierer! Definitiv! Ich habe es ja schon angedeutet: Struktur ist mir im Arbeitsalltag sehr wichtig. Auf meinem Schreibtisch liegt nur das, woran ich tatsächlich gerade arbeite. Und ein leerer Zettel: Darauf kritzele ich alle möglichen Gedanken, die mir zwischendurch zu anderen Themen einfallen, damit sie mir erst mal nicht weiter im Kopf rumspuken. Alles andere verschwindet in Ablagefächern und Schubladen – die natürlich gut sortiert sind, sodass ich für jede Aufgabe weiß, wohin ich greifen muss. Naja, ehrlich gesagt, gibt es auch ein, zwei Fächer mit dem gedanklichen Label „Diverses“. Dort finden sich ab und zu interessante Überraschungen.

Arbeitest du zu Hause oder hast du ein externes Büro? Warum?

Nachdem ich eine ganze Zeit lang zu Hause gearbeitet habe, teile ich mir jetzt wieder ein externes Büro mit einer Kollegin. Nur so funktioniert die Trennung zwischen Arbeit und Familie für mich. Zu Hause wäre die Versuchung zu groß, mich ablenken zu lassen. Und andersherum wäre ich in der Freizeit gedanklich immer irgendwie bei der Arbeit, wenn der Schreibtisch nur ein paar Schritte entfernt wäre. Aber das ist nicht der einzige Grund. Ich schätze es sehr, mich jederzeit direkt mit Kollegen austauschen zu können – wenn ich zum Beispiel einfach mal eine Pause brauche oder wenn ich bei der Textarbeit den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe. Und nicht zuletzt genieße ich auch die morgendlichen und abendlichen fünfzehn Minuten auf dem Fahrrad zwischen Büro und Zuhause. Das unterstreicht den Wechsel zwischen beiden.

Was machst du, um den Kopf frei zu kriegen? Kannst du gut abschalten? Hast du Tipps?

Sport hilft mir sehr, mich zu fokussieren. Ich gehe mindestens einmal, lieber zweimal die Woche schwimmen oder joggen. Hilfreich ist auch der ständige Perspektivwechsel durch Unternehmungen mit Familie und Freunden. Spaziergänge am Wochenende, tanzen auf Konzerten oder in Clubs oder Gespräche beim gemeinsamen Abendessen oder beim Feierabenddrink – dabei kann ich Abstand gewinnen, bekomme den Blick von außen und gehe mit neuer Inspiration zurück an die Arbeit. Auch die gemeinsame Mittagspause mit Kollegen gehört dazu. Im Büroalltag gehe ich oft auch einfach zehn Minuten vor die Tür, um den Kopf frei zu kriegen. Mein Büro liegt im lebendigen St. Pauli. Da sieht man bei einem kleinen Spaziergang immer wieder was Anderes. Und natürlich: Kochen und gutes Essen. Das sind Rituale, die als Entspannungsmomente nicht wegzudenken sind aus meinem Leben.

Wo wohnst du? Und warum? Hast du schon immer dort gewohnt?

Ich bin vor gut 15 Jahren zum Studium nach Hamburg gekommen, und dass ich noch immer hier bin, hat vor allem zwei Gründe: Das Großstadtleben mit allem, was dazugehört – viele unterschiedliche Einflüsse, Kulturangebot usw. –, würde mir wirklich fehlen. Und gleichzeitig macht Hamburg es einem leicht, dem Trubel zu entfliehen, wenn das mal sein muss: Es gibt sehr viel Grün in der Stadt und rundherum. Die Stadt hat von beidem etwas. Außerdem bin ich aus ganzem Herzen „Muschelschubser“: Ich bin an der Mecklenburger Seenplatte aufgewachsen und kann mir ein Leben ohne viel Wasser in der Nähe nicht vorstellen. Auch mein einjähriges Studium im Ausland habe ich übrigens in einer Stadt am Meer verbracht, nämlich in Dublin.

Was hast du studiert? Brauchst du die Dinge, die du mal studiert hast, bei deiner Arbeit ab und zu?

Ich habe Geschichte, Neuere deutsche Literatur und Englische Sprache studiert. Die sprachwissenschaftliche Ausbildung kommt mir bei der Arbeit natürlich täglich zugute. Das Geschichtsstudium hat mich durch die Arbeitstechniken, die man dort lernt, sehr geprägt. Als Historiker muss man die richtigen Fragen an einen Text stellen und die Informationen, die einem vorliegen, strukturiert aufbereiten. Darum geht es ja auch im Lektorat.

Wieso bist du überhaupt Lektor? Es soll ja auch lukrativere Jobs geben.

Aber für mich gibt es keinen anderen, bei dem ich so intensiv mit Texten und Sprache arbeiten kann. Das macht mir einfach großen Spaß. Als ich mit dem Studium anfing, war ich überzeugt, dass ich diese Freude am besten im Journalismus würde ausleben können. Dann aber entdeckte ich das wahre Ausmaß meiner Sprachbegeisterung. In meinem Freundeskreis war ich einer der wenigen, die sich ernsthaft für Linguistik erwärmen konnten. Das gab mir zu denken. Und am Ende des Denkprozesses stand – bestärkt durch ein Verlagspraktikum – der Entschluss: Ich werde Lektor. Inzwischen ist ein weiterer Grund hinzugekommen: Als Lektor hat man die tolle Gelegenheit, sich mit ganz vielen unterschiedlichen Themen und Textsorten zu beschäftigen, umso mehr, wenn man freiberuflich für unterschiedliche Kunden arbeitet. Das möchte ich nicht missen.

Was möchtest du unbedingt noch loswerden?

Natürlich den Aufruf an alle Mitglieder, sich im Verband zu engagieren, auch wenn es auf den ersten Blick unmöglich erscheint. Ganz ehrlich: Nachdem ich die Vorstandswahl angenommen hatte, bin ich erst mal mit einem mulmigen Gefühl nach Hause gegangen. Ich war mir ganz und gar nicht sicher, dass ich das Ehrenamt mit Arbeit und Privatleben unter einen Hut bringen würde. Nach den ersten Monaten Vorstandsarbeit kann ich sagen: Es funktioniert. Und die Zusammenarbeit in einem sehr sympathischen und engagierten Team macht großen Spaß und bringt mich auch persönlich voran. Also, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Ihr vielleicht noch unentschlossen seid: Macht mit und sorgt dafür, dass unser Verband lebendig bleibt! Es lohnt sich.

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