Sonntagsschreibtisch mit dänischem Raps

Vorstandsvorstellung. Heute: Dr. Inga Meincke

Unsere Vorstandsvorsitzende Inga Meincke steht mir Rede und Antwort und prägt einen neuen In-Begriff: „stressstapeln“. Ist der nicht schön? Mehr zu ihrer Arbeitsweise erfahrt Ihr im Interview.

Seit wann bist du im Vorstand und welches Aufgabengebiet hast du?

2011 stieß ich als absoluter Neuling mit Herwig Frenzel zum erprobten Vorstandsteam Claudia Huber, Rainer Schöttle und Sabine vom Bruch, ab 2012 war ich für unsere Finanzen verantwortlich, seit September 2014 vertrete ich den VFLL als Erste Vorsitzende. Meine Arbeitsschwerpunkte in unserem Siebenerteam: Präsentation des VFLL nach außen, Kooperation mit anderen Verbänden und Institutionen, Weiterentwicklung unserer internen Strukturen – und vor allem alles, was die Sichtbarkeit unseres Berufsverbandes und der von uns angebotenen Dienstleistung erhöht. Denn wen ich auch treffe: Immer muss ich erst erklären, was ein Lektor ist und was er/sie so macht. Was ja auch heißt: Heerscharen potentieller Auftraggeber wissen gar nicht, dass es uns gibt!

Warum hast du dich in den Vorstand wählen lassen? Gibt es etwas, das du verändern willst?

Mit anderen gemeinsam etwas gestalten – das macht unglaublich Spaß! Bin ja eher der Typ skeptischer Beobachter mit Vereinsphobie, insofern hat etwas gedauert … aber so mit 50 habe ich verstanden: Wenn nicht ich die Bühne betrete, machen es andere – und klar: Die machen dann, was sie wollen, nicht, was ich mir wünsche. Mein Wunsch in Bezug auf unseren Verband und unseren Beruf: Dass wir uns weiter in Richtung unterstützendes Netzwerk entwickeln – Kooperation statt Konkurrenz. Und – siehe oben – uns stärker bemerkbar machen. Und immer mehr Kollegen und Kolleginnen Lust bekommen, an der Zukunft des VFLL und unseres Berufs aktiv mitzuwirken.

Wie verträgt sich die Vorstandsarbeit mit deinen sonstigen Aufgaben? Musstest du nach Amtsantritt viel umstrukturieren?

Ich arbeite noch an einer guten Balance, da ich auch beruflich einiges neu austariere, so die Kooperation mit meinem Freund und Kollegen Bernd Kronenberg aus Berlin. Außerdem engagiere ich mich für ein Projekt der solidarischen Landwirtschaft (Besuche auf www.kartoffelkombinat.de jederzeit willkommen!) und bin seit Mai 2014 auf Stadtviertelebene kommunalpolitisch aktiv. Was ich feststelle: Wenn ich mit Begeisterung an etwas arbeite, Auftrag, Ehrenamt oder Brief an einen Freund, dann kann ich stundenlang daran sitzen, ohne zu ermüden, ohne dass ein Muskel muckt … Danach suche ich – dauerhaft.

 

Dr. Inga Meincke (Foto: IM)

Dr. Inga Meincke (Foto: Ziegler)

Wie arbeitest du überhaupt so? Bist du ein Stapler oder eine Sortiererin? Zeigst du uns ein Foto von deinem Schreibtisch?

Stressstapeln, Entspannungssortieren, Stressstapeln, Entspannungssortieren, Stressstapeln …

Arbeitest du zu Hause oder hast du ein externes Büro? Warum?

Der optimale Arbeitsfluss stellt sich bei mir zu Hause ein; manchmal arbeite ich auch bei meinen Auftraggebern vor Ort.

Was machst du, um den Kopf frei zu kriegen? Kannst du gut abschalten? Hast du Tipps?

Spazieren und Wasseramselschauen an der Isar. Bei akuter Gedankenüberfüllung: „Ächzen und Stöhnen“ (Julie Henderson, Embodying Well-Being, Übung Nr. 13). Ultimativer Tipp bei schmerzhaften Verspannungen durch Schreibtischmarathon, sportliche Übertreibung oder Extremfrust: Dr. Ellen Fischer, Schmerzfrei mit der Release-Methode. Apropos: Vielleicht kann eine oder einer aus dem Kollegenkreis Gräfe und Unzer zu einer neuen Auflage bewegen? Mit vorgeschaltetem umsichtigem Lektorat?!

Wo wohnst du? Und warum? Hast du schon immer dort gewohnt?

In Bergedorf geboren und aufgewachsen, lebe ich als Exilhamburgerin in München. Da hat mich die Liebe hingeführt.

Was hast du studiert? Brauchst du die Dinge, die du mal studiert hast, bei deiner Arbeit ab und zu?

Ein Studium der Skandinavistik hilft bei Trennung und Flexion isländischer Gletschernamen … In seltenen Momenten übersetze ich etwas aus dem Färöischen (für Leselustige: Sólrún Michelsens Tanz auf den Klippen erscheint Mitte Februar im Züricher Unionsverlag) oder Dänischen.

Wieso bist du überhaupt Lektorin? Es soll ja auch lukrativere Jobs geben.

Wenn Kommunikation unter Menschen glückt, gelingen hochkomplexe Unternehmungen wie Rosettas Landung auf Tschuri. Was passiert, wenn sie scheitert ­ nun, das können wir jeden Tag in der Zeitung lesen. Wir arbeiten in einem Beruf, der optimalen Informationsfluss sichert. Das sollte sich natürlich auch in unserem Honorarsatz spiegeln – Geld eröffnet Gestaltungsfreiräume. (Anregender Link zur Gegenposition: www.raphaelfellmer.de) Meine Großmutter sprach immer von „Bewegungsgeld“. Schwimmen tue ich allerdings lieber in Wasser.

Was möchtest du unbedingt noch loswerden?

Dieses für mich aufmunternde Zitat von Theodore Roosevelt, das ich Brené Browns Daring greatly verdanke: It is not the critic who counts; not the man who points out how the strong man stumbles, or where the doer of deeds could have done them better. The credit belongs to the man who is actually in the arena, whose face is marred by dust and sweat and blood; who strives valiantly; who errs, who comes short again and again, because there is no effort without error and shortcoming; but who does actually strive to do the deeds; who knows great enthusiasms, the great devotions; who spends himself in a worthy cause; who at the best knows in the end the triumph of high achievement, and who at the worst, if he fails, at least fails while daring greatly, so that his place shall never be with those cold and timid souls who neither know victory nor defeat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *