Der Lektorenverband auf der Buchmesse zum Thema Self-Publishing

Self-Publishing: Mehr Professionalisierung, mehr gute Bücher?

Sind Self-Publisher heute bereit, mehr zu investieren – etwa fürs Lektorat? Was überhaupt ist ein gutes Buch? Darüber diskutierte VFLL-Mitglied Friederike Schmitz auf der Frankfurter Buchmesse mit Wolfgang Tischer von literaturcafe.de und Vertretern von zwei Self-Publishing-Dienstleistern.

Beim Self-Publishing scheiden sich die Geister – nicht nur die der Leser, sondern auch der Self-Publisher selbst. Während die einen naiv und ohne professionelle Hilfe ans Schreiben und Publizieren gehen,  sind sich die anderen sehr bewusst, dass sie auch etwas tun und investieren müssen, um gut anzukommen.

Welche Metamorphose der Self-Publisher in den vergangenen Jahren durchgemacht hat, war Thema der Diskussion „Professionalisierung der Self-Publishing-Branche“ auf der Frankfurter Buchmesse.

Vom Wandel im Selbstverständnis der Self-Publisher berichtet die freie Lektorin Friederike Schmitz. „Früher kamen vor allem Menschen zu mir, die ihre Lebensgeschichte aufschreiben wollten. Heute möchten die Self-Publisher Autor sein, also sich eine Geschichte ausdenken und an die Leser bringen.“ Dieser Anspruch „Ich möchte Autor sein“ sei relativ neu – genauso wie der, Geld mit dem eigenen Buch verdienen zu wollen.

Auf der Seite der professionellen Self-Publisher (SP) gibt es heutzutage ein Extrem: „Self-Publisher, die das Buch als Produkt sehen und das schreiben, was der Markt gerade verlangt. So kommt es, dass derselbe Autor unter mehreren Pseudonymen sowohl Schweden-Krimis als auch Romance veröffentlicht, je nachdem, was gerade gut läuft. Diesen professionellen Self-Publisher gab es früher nicht“, so Wolfgang Tischer von literaturcafe.de.

„Self-Publisher sind Optimierer“, ergänzte Andreas Ländle von neobooks/Droemer Knaur. Denn: „Der Erfolg kommt selten über Nacht“, so Tischer. Zur Professionalisierung gehöre es auch, sich die Zielgruppe und die Fans aufzubauen, etwa durch die Social-Media-Kanäle, eine professionelle Homepage und Newsletter. Wer diese Werkzeuge beherrscht und eng an seinen Lesern dran ist, dem werde so mancher Patzer verziehen. Also auch Bücher, denen es an Professionalität und Qualität mangelt.

Follower-Zahl wichtiger als die Qualität?

„Wer sind die Leser solcher Bücher?“, wollte Friederike Schmitz wissen. „Das belletristische Publikum dort draußen“, antwortete Ländle. Dabei gehe es nicht um eine U- oder E-Diskussion. „Ein gutes Buch ist eines, das die Bedürfnisse des Lesers erfüllt.“ Schmitz wandte ein, dass sie es ärgerlich finde, wenn die Zahl der Follower wichtiger für den Erfolg eines Autors sei als die Qualität des Buches. „Ein gutes Marketing wird kein schlechtes Produkt retten“, entgegnete Florian Geuppert von epubli.de.

In einem Punkt war sich die Diskussionsrunde einig: Zur Sicherung von Qualität gehört ein professionelles Lektorat. Dies wissen die professionellen SP. Dabei gehe es jedoch um viel mehr als „nur“ um die sprachliche Qualität. „Ich bin froh, dass Sie mich davor bewahren, dass ich mich blamiere“, bekommt Friederike Schmitz immer wieder von ihren Kunden zu hören. „Dieser persönliche Kontakt zu den Autoren ist toll für beide Seiten und macht mir besonders viel Freude“, erzählte Schmitz.

„Das Verständnis dafür, was ein Lektor tun kann, wächst im Prozess“, so Schmitz weiter. Denn oft werde erst im Laufe der Zusammenarbeit klar, an welchen Punkten ein Manuskript überarbeitet werden muss – etwa im Aufbau oder bei den Figuren.

Self-Publisher – ob professionell oder nicht – werden sicherlich weiterhin für Diskussionsstoff sorgen – auch fernab der Self-Publishing-Area der Frankfurter Buchmesse. Diese war in diesem Jahr leider weniger offen gestaltet als zuvor. Stattdessen musste sie sich in eine hinterste Ecke der Halle 3.0 quetschen, umgeben von Gourmet Gallery und kunterbunten Non-Books-Ständen. Diesen unpassenden Rahmen hat diese Branche wirklich nicht verdient.

Friederike Schmitz und Wolfgang Tischer (r.) in der Diskussion. (Bild: Beißwänger)

Die Diskussion kann bei Voice Republic in Teilen angehört werden.

Video-Podcast von literaturcafe.de – Friederike Schmitz‘ Antwort auf die Frage: „Wie finde ich einen Lektor?“

Podiumsdiskussion auf den Lektorentagen 2015 zum Thema „Qualität im (Self-)Publishing

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