Der Friedhof als Geschichtsbuch der Stadt

Auf dem ältesten Münchner Friedhof machte Adelheid Schmidt-Thomé eine spannende Feststellung: Viele der verstorbenen Männer sind bis heute bekannt und fest im Gedächtnis der Stadt verankert. Doch was ist mit den ebenfalls dort ruhenden Frauen? Adelheid Schmidt-Thomé begann nachzuforschen und entdeckte Schriftstellerinnen, Abenteurerinnen, Unternehmerinnen und einige „Frauen voller Leben“ – wie es auf ihrer Internetseite heißt – mehr. Mit ihrem Buch „Vergessene Münchnerinnen. 30 Lebensbilder“ holt sie Frauengeschichte(n) in die Gegenwart.

Um was für ein Werk handelt es sich?

Mein Buch „Vergessene Münchnerinnen“ ist eine Sammlung von Biografien. Ich stelle 30 Frauen vor, die zwischen ca. 1800 und 1945 in München geboren wurden oder als Kind nach München kamen, hier gelebt haben und bis auf zwei auch gestorben sind. Diese zwei konnten als Jüdinnen leider über ihre letzten Lebensjahre nicht mehr selber bestimmen. Das sind Bilder, die viel über die Lebenssituation der Frauen damals aussagen, und Stadtgeschichte ist natürlich auch dabei.

Wie warst du daran beteiligt?

Ich war Autorin.

Wie bist du zu dem Werk oder auf das Thema gekommen?

Der älteste Friedhof Münchens ist der Alte Südfriedhof. Heute ist er ein wunderschöner Park und „Geschichtsbuch der Stadt“, denn zwischen 1789 und 1869 fanden Beerdigungen ausschließlich dort statt. So ruhen auch sehr viele Namenspatrone für die Münchner Straßen dort. Ich fing an, über die „vernachlässigten“ und vergessenen Frauen zu recherchieren und habe einige gefunden, über die es Interessantes zu erzählen gibt. Das habe ich zunächst in zwei Kalendern getan. Im Buch sind 16 „Damen vom Südfriedhof“ vertreten.

Hast du in einem Verlag publiziert oder per Selfpublishing?

Das Buch erschien in einem Verlag.

War es schwierig, einen Verlag zu finden?

Nein, denn ich wurde aufgrund des ersten Kalenders vom Allitera Verlag angesprochen.

Wie lange hast du an dem Buch gearbeitet?

Ohne die Vorarbeiten durch die Kalender hat die Arbeit etwa so lange gedauert wie eine Schwangerschaft – also neun Monate.

Gab es spezielle Herausforderungen?

Über manche Frauen habe ich zunächst nichts herausgefunden, aber vieles ist mir dann beim Lesen über andere Personen „zugeflogen“.  Und: Als ich mitten in der Recherche war, war der Bestand der Monacensia, also der Bibliothek, die auf München-Literatur spezialisiert ist, für drei Monate nicht verfügbar. Manche Bücher gibt es wirklich nur dort und auf Bestellungen in der Stadt- oder der Uni-Bibliothek muss man warten. So konnte ich nicht eine Frau nach der anderen „abrecherchieren“, sondern musste mit dem arbeiten, was ich bekam.

Was hat besonders Freude gemacht?

Wie sich Kreise schlossen, eine Frau zur anderen führte (das tut es jetzt immer noch), immer wieder Neues zu entdecken.

Wie fühlt es sich an, das Werk nun in den Händen zu halten?

Erst war es ganz seltsam, mein erstes Buch … verbunden mit den Selbstzweifeln, die für uns Frauen ja, denke ich, so typisch sind. Jetzt, einige Zeit, mehrere Lesungen und Friedhofsführungen später, freue ich mich sehr daran und bin auch ein bisschen stolz.

Gibt es noch etwas, das du uns dazu sagen möchtest?

Es kribbelt schon sehr stark in mir, ein neues Thema zu finden. Und bis dahin macht es richtig Spaß, an der Vermarktung des Buches zu arbeiten, Lesungen zu halten und zu erzählen.

 

Vergessene Münchnerinnen_Cover Adelheid Schmidt-Thomé Lektorenverband VFLLAdelheid Schmidt-Thomé: Vergessene Münchnerinnen. 30 Lebensbilder. Allitera Verlag 2017. 256 Seiten, Paperback, 19,90 Euro, ISBN 9783869069234

Das Buch beim Allitera Verlag, inkl. Leseprobe

Vergessene Münchnerinnen als Website und auf Facebook

 

Cover: Verlag

Großes Bild: privat

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