Lektorenverband VFLL auf der Autorenmesse

Autorenmesse: Viele Angebote auf dem Weg zum Buch

Der Wunsch, ein eigenes Buch zu schreiben und zu veröffentlichen, ist nicht neu. Die Chancen, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht, haben sich im Internetzeitalter beträchtlich erhöht. Neben Self-Publishing-Plattformen gibt es viele weitere Dienstleister, die Autoren ihre Arbeit rund ums Veröffentlichen anbieten – darunter nicht zuletzt freie Lektorinnen und Lektoren. Auf der 1. Internationalen Autorenmesse sollten Autoren – und solche, die es werden wollen – die Möglichkeit erhalten, mit diesen in Kontakt zu kommen.

Bevor das eigene Buch vom Wunsch zur Wirklichkeit wird, stehen dem Autor viel Arbeit und auch viele Entscheidungen bevor. Er muss sich etwa fragen: Will ich in einem Verlag oder per Self-Publishing publizieren? Brauche ich beim Schreiben Unterstützung – und wenn ja, welche? Wie verkauft sich mein Buch – und wie verkaufe ich mich selbst?

Auf zwei Ebenen des Hörsaalzentrums der Frankfurter Goethe-Universität verteilten sich die Stände von 32 Ausstellern, die Autoren auf ihrem Weg zum Buch Unterstützung anbieten. Mit dabei waren neben dem Lektorenverband VFLL die Verbandskolleginnen Katharina Grabowski, Susanne Pavlovic und Simona Turini. Außerdem ein paar Self-Publishing-Plattformen wie Ruckzuckbuch.de, tolino und neobooks sowie ein paar größere Verlage, u. a. Bastei Lübbe und Ullstein mit ihren digitalen Angeboten. Dazwischen fanden sich Stände von Autoren, die bereits mindestens ein Buch vorweisen können, sowie Dienstleistern, die unter anderem Schreibkurse, Coachings, Marketing und Präsentation für Autoren anboten.

Zeitgleich fanden in acht Hörsälen insgesamt 50 Vorträge und Workshops statt. Die Referentinnen und Referenten sprachen zu Themen wie „Wie Sie Ihre Leser von der ersten Zeile an fesseln“, „Marketing für Self-Publisher“,  „Wie Self-Publishing die Verlagswelt verändert“ oder „Fallen im Literaturbetrieb: Was ist ein fairer Verlag?“.

Die Besucherinnen und Besucher waren ähnlich bunt gemischt wie die Aussteller: Von der schüchternen Teenagerin bis zum gestandenen älteren Herrn, vom Schreibstatus „Buchidee im Kopf“ bis zu bereits veröffentlichten Büchern.

Lektorenverband VFLL auf der Autorenmesse

Beim Contest präsentierten ausgewählte Autorinnen und Autoren einer Jury und dem Publikum ihre Texte.
© Inga Beißwänger

Auf der Messe fand außerdem ein Autoren-Contest statt. Dafür konnten sich Autoren vor der Messe bewerben. Die zwölf besten erhielten die Möglichkeit, sich und einen Text innerhalb von fünf Minuten dem Publikum und einer Jury zu präsentieren. In der Jury saß u. a. Verbandskollegin Susanne Pavlovic. Die wahrscheinlich jüngste Teilnehmerin war eine 16-jährige junge Dame aus Duisburg. Sie wirkte sehr aufgeregt, als sie vor dem Publikum im großen Hörsaal ans Mikrofon trat. Ihre vom Blatt gelesene Vorstellung brachte sie sehr schnell hinter sich. Die Lesung ihres Buchausschnitts klappte dann schon besser.

Das Ziel der Messe nannte der Veranstalter Hermann Scherer auf boersenblatt.net: Schreibende mit Lektoren, Marketingfachleuten und Medienanwälten zusammenzubringen. Autoren konnten tatsächlich direkt mit den Verlagen und Dienstleistern in Kontakt treten. So gab es etwa am Stand von Ullstein die Möglichkeit, seine Buchidee bzw. sein Manuskript zu „pitchen“, also in wenigen Minuten zu präsentieren. Nicht zuletzt wegen der überschaubaren Größe wirkte die Autorenmesse niedrigschwellig, so dass „Direktkontakt“ möglich war. Außerdem zeigte sie, dass es nicht nur Buchverlage und Self-Publishing-Plattformen (hinter denen ja oft auch Verlage stehen) gibt, sondern darüber hinaus viele unterschiedliche Dienstleister, die Autoren beim Schreiben, Lektorat, Marketing, der Buchgestaltung etc. helfen können.

Welche Angebote auf dem Weg zum eigenen Buch wirklich gebraucht werden, ist sicherlich individuell unterschiedlich. Nicht zuletzt der Digitalisierung und dem Internet sei Dank haben Autoren heute so viele (Wahl-)Freiheiten wie nie zuvor. Was die Entscheidung für Autoren, von wem sie sich unter die Arme greifen lassen, natürlich andererseits nicht einfacher macht. Zudem sollte ihnen bewusst sein, dass es – wie in jeder Branche – auch unseriöse und unprofessionelle Anbieter gibt, etwa so genannte Zuschussverlage, die den Autoren nur das Geld aus der Tasche ziehen anstatt ihnen zu einem guten Buch zu verhelfen. Auch davon war auf der Autorenmesse die Rede. Umso wichtiger sind Verbände und Initiativen wie das Aktionsbündnis für faire Verlage, die für Qualität und Seriosität ihrer Mitglieder bzw. Unterstützer stehen.

Wie der Name schon sagt, fand die 1. Internationale Autorenmesse in diesem Jahr zum ersten Mal statt. Da der Lektorenverband VFLL sich vorgenommen hat, auf mehr Veranstaltungen der Publishing-Branche Präsenz zu zeigen, wurde beschlossen, der Messe (die sich, etwas verwirrend, auch „Autorentag“ nannte) eine Chance zu geben. Zudem wurden im ersten Jahr noch keine Standgebühren erhoben, so dass sich der Verband ziemlich unverbindlich einen Eindruck von der Veranstaltung machen konnte. Ein Team der Regionalgruppe Frankfurt übernahm dankenswerterweise die Organisation vor Ort. Aus dem Team kam die Idee, zusätzlich zum Stand eine Lektoratssprechstunde anzubieten, in der Autoren ihre Fragen zu Manuskript, zum Lektorat und zum Veröffentlichen stellen konnten.

Lektorenverband VFLL Autorenmesse Stand

Das Vormittags-Team am VFLL-Stand der Autorenmesse.
© Inga Beißwänger

Auch abseits der „offiziellen“ Sprechstundenzeiten kamen Besucher an den VFLL-Stand. So erzählte eine Autorin, wie froh sie sei, für ihr erstes bereits erschienenes Buch genau die passende Lektorin gefunden zu haben – nämlich über den VFLL, genauer gesagt über eine Auftragsanfrage, die zweite Möglichkeit neben dem Lektorenverzeichnis, einen Lektor zu suchen und zu finden. Ein Herr erzählte uns von seinen sehr guten Erfahrungen mit dem Buchgestalter, der auch auf der Messe ausstellte – und der durchwachsenen Erfahrung mit dem Kunstverlag, in dem dieses professionell gestaltete Buch erschienen ist: „Obwohl mir zugesagt worden war, dass das Lektorat im Preis von 3000 Euro inbegriffen ist, wurde mein Text nicht lektoriert. Mein Manuskript wurde einfach übernommen, inklusive der Fehler.“ Deshalb ist er jetzt auf der Suche nach einem neuen Verlag für seine Gedichte und satirischen Geschichten. Und auch nach einem Lektor, der seine Texte durchaus kritisch betrachten solle, denn „nur durch Kritik lerne ich etwas. Wer mich nur lobt, ist mir suspekt.“

Erstaunlicherweise kamen auch viele andere freie Lektorinnen und Lektoren an den VFLL-Stand – davon viele noch nicht Mitglied, aber interessiert an einer Mitgliedschaft. Mit diesem „Publikum“ hatte das Orga-Team berechtigterweise nicht gerechnet, und so waren weder der passende Flyer, die Broschüre noch ein Ansichtsexemplar des Fachbuchs „Leitfaden Freies Lektorat“ da. Doch immerhin das Programm der nächsten Lektorentage konnten die Interessenten mitnehmen, inkl. der Information, dass die Teilnahme daran für VFLL-Mitglieder günstiger ist.

Nach Angaben des Veranstalters waren etwa 1300 Besucher auf der 1. Internationalen Autorenmesse. Ob sie eine Wiederauflage erfährt, sei derzeit noch nicht klar, die Entscheidung solle aber schon bald nach der derzeit durchgeführten Evaluation fallen. Wenn, dann solle sie wieder in Frankfurt sowie jährlich stattfinden.

Weitere Blog-Artikel:

Ein persönlicher Bericht über die Autorenmesse von Petra Seitzmayer aus dem Orga-Team

Rückblick auf den Self-Publisher-Day

Artikelserie zur Konferenz Future!Publish

Rückblick auf die Lektoratssprechstunde bei der Frankfurter Buchmesse

Großes Bild: © Inga Beißwänger

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